Heiligenhaus. Manchmal sorgt eine wirtschaftliche Durststrecke auch für positive Effekte. "Kiekert hat die Krisenjahre genutzt, um den Break-even zu senken. Wir haben jetzt einen Wert, der um 20 Prozent unter dem vor der Krise liegt“, erklärt Karl Krause. Geld wurde 2009 aber – wie bei vielen anderen Zulieferern – bei Kiekert wohl nicht verdient, deutet Krause an. Der Manager ist seit Juni 2007 Vorstandsvorsitzender beim Weltmarktführer bei Schließsystemen. Zu den Wettbewerbern gehören Magna (Kanada), Mitsui (Japan) und ArvinMeritor (USA). "Fast alle Märkte ziehen deutlich an, im Gegensatz zum deutschen Markt, der verglichen zum vergangenen Jahr generell schwach ist“, erläutert Krause.
Der Zulieferer aus Heiligenhaus, der mehrheitlich dem Londoner Hedgefonds BlueBay Asset Management gehört, hält weiter an der Konzentration auf Kerngeschäft fest. Krause hat den Schritt nicht bereut, vor zwei Jahren den Elektronikbereich an die Huf-Gruppe verkauft zu haben. Statt einer eigenen Elektronikfertigung unterhält Kiekert seitdem eine Kooperation mit Huf und arbeitet projektbezogen mit weiteren Lieferanten zusammen. Kiekert erwirtschaftet mittlerweile 80 Prozent der Wertschöpfung in Low-Cost-Countrys. "Darauf sind wir sehr stolz“, so Krause. Produziert wird vom allem in Tschechien, Mexiko und China. Krause rechnet gar damit, dass sich der Anteil der Low-Cost-Produktion in Richtung 90 Prozent entwickeln wird.
In Deutschland will der Zulieferer 2010 insgesamt 84 Stellen streichen. Eine Vereinbarung darüber wurde mit der Gewerkschaft IG Metall und dem Betriebsrat bereits getroffen. Ein entsprechender Standortsicherungsvertrag wurde zum Jahreswechsel 2009/2010 erneuert und hat eine Laufzeit bis Ende 2011. Der Schwerpunkt von Kiekert liegt weiterhin auf Schließsystemen für Seitentüren. Rund 90 Prozent des Umsatz von 373 Millionen Euro im Jahr 2009 (2008: 482 Millionen Euro) wurden mit solchen Produkten erzielt.
Kiekert sieht sich hier mit einem weltweiten Anteil von fast 20 Prozent als Marktführer und will diese Position ausbauen. Dabei wird die gesamte Bandbreite von der Low-Cost- bis zur High-End- Lösung abgedeckt. Der Zulieferer erhält auch Aufträge für Lizenzbauten. "So ein Geschäft gewinnt man nur, wenn das Unternehmen kostengünstiger als der eigentliche Lieferant produzieren kann. Langfristig können wir uns aber auch vorstellen, unser Portfolio um eine zweite Produktschiene zu erweitern“, so der Kiekert-Chef.