München. Der internationale Wettbewerb ist hart und erfordert neue Standorte im Ausland, die Innovationsgeschwindigkeit ist hoch und die Rahmenbedingungen in Deutschland sind mehr Hindernis als Hilfe – unter diesen Bedingungen müssen die mittelständischen Zulieferer bestehen. „Hinzu kommt, dass sie derzeit sowohl in die Optimierung der klassischen Antriebe als auch in die Entwicklung alternativer Antriebe investieren müssen“, erläutert VDA-Geschäftsführer Klaus Bräunig. Angesichts des Wachstums außerhalb Europas stehen auch Mittelständler vor der Aufgabe, im Ausland Standorte aufzubauen, um die heimischen Produktionsstätten zu sichern. Wer sich allein auf den Heimatmarkt beschränkt, verbaue sich die Zukunft, ist der VDA-Geschäftsführer überzeugt.
Doch „insbesondere die kleinen mittelständischen Unternehmen tun sich beim Thema Internationalisierung schwer“, analysiert Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive in Bergisch Gladbach. „Denn wenn Unternehmen ihre guten Mitarbeiter nach Mexiko, China oder in andere Regionen schicken, fehlen sie vor Ort.“ Um aus der Globalisierung das Beste zu machen, empfiehlt Bernd Welzel, Vorsitzender der Geschäftsführung von Westfalia Automotive, „beispielsweise Innovationen in der Kommunikation zwischen den Standorten entstehen zu lassen“. Wenn Unternehmen vor der Entscheidung stehen, Geld für Innovationen oder für den nächsten Globalisierungsschritt auszugeben, gehe das häufig zulasten der Innovationen, so der Einwand eines Mittelständlers. Um dies zu vermeiden „muss man nach Wegen suchen, auch mal ‚Nein‘ zu den Autoherstellern sagen zu können. Wer das nicht schafft, ist verraten und verkauft“, so der Geschäftsführer. Für Bratzel bringen die Technologiespezialisten unter den Zulieferern die besten Voraussetzungen mit, um sich im Wettbewerb zu behaupten. „Sie verfügen über ein Alleinstellungsmerkmal bei bestimmten technologischen Lösungen und können einen besseren Preis durchsetzen.“ Der Elektronikspezialist Preh hat für sich einen Weg gefunden: Preh hat in den vergangenen zehn Jahren massiv internationalisiert, „um bei globalen Plattformkonzepten der Fahrzeughersteller mit an Bord sein zu können“, so Michael Roesnick, Vorsitzender der Geschäftsführung. Neben neuen Standorten in Mexiko, Rumänien und China gehörte dazu auch eine Weiterentwicklung der Managementstrukturen. „Beispielsweise haben wir unsere ursprünglich drei Geschäftsführungsressorts um zwei eigenständige Ressorts erweitert, dementsprechend sind auch neue Bereichs- und Abteilungsstrukturen entstanden.“ Doch nicht nur die Globalisierung fordert die Unternehmen heraus: „Sorgen machen den mittelständischen Zulieferern eher die sich verschlechternden Rahmenbedingungen am Standort Deutschland“, mahnt VDA-Geschäftsführer Bräunig. „Der erkennbare Anstieg der Lohnstückkosten, die hohen Strompreise, die geringere Flexibilität am Arbeitsmarkt – unsere mittelständischen Zulieferer brauchen verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen am Produktionsstandort Deutschland“, so Bräunig. „Ich glaube, wir müssen da wahnsinnig aufpassen“, warnt auch Bratzel eindringlich. Der Erfolg auf den Exportmärkten sei kein Selbstläufer, so Bräunig. Wenn die Fertigung hierzulande teurer wird, geht die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ international zurück. Somit bleibt weniger Geld für Innovationen – ein Teufelskreis.