Herr Schupp, Nissan ist in Europa drauf und dran, Toyota vom Thron zu stoßen. Wann soll es so weit sein?
Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die stärkste asiatische Marke in Europa zu werden. Bis Ende 2016 peilen wir einen Marktanteil von fünf Prozent an.
Ist das eine Kampfansage an Toyota?
Das ist mehr ein innerer Weckruf an die Organisation. Aber natürlich bedeutet es, Toyota in Europa zu überholen. Vor einigen Jahren galt das noch als unmöglich. Jetzt sehen wir, das wirklich nichts unmöglich ist.
Nissan hat jüngst für einen mehrstelligen Millionenbetrag Werberechte bei der UEFA Champions League erworben. Was wollen Sie mit diesem teuren Sponsoring erreichen?
Das ist nicht so kostspielig, wie oft gemunkelt wird. Tatsächlich finanziert sich unser Engagement fast von selbst. Wir erreichen mit der Champions League weltweit rund vier Milliarden Menschen. Außer den Olympischen Spielen gibt es nichts mit einer vergleichbaren Reichweite. Ziel ist es, unsere Marke stärker in den Fokus zu rücken. Denn wir haben als Marke zwar viel Aufmerksamkeit, aber sie gilt vielfach noch als relativ undefiniert. Auf der Bühne des Weltfußballs wollen wir zeigen, dass Nissan für Innovation und Begeisterung steht. Dieses Konzept zur Markenstärkung ist nicht auf Europa begrenzt, sondern ein globales Thema.
Welche Faktoren sind aus Ihrer Sicht am wichtigsten, um in Europa als Importmarke erfolgreich zu sein?
Absolut maßgeblich sind Produkte, die auf den europäischen Markt zugeschnitten sind. Und zwar nicht nur mit Blick auf das Design, sondern auch hinsichtlich Qualität, Technologie und Preisniveau.
An ein überall erfolgreiches Weltauto glaubt Nissan also nicht?
Auch unser Juke, der GT-R und der Leaf sind Weltautos. Aber solche Autos dürfen nicht zu amerikanisch aussehen, sonst haben sie es schwer in Europa.
Nissan schreibt zwar die Elektromobilität groß, im Gegensatz zum Hybrid-Champion Toyota fokussieren Sie sich aber nicht so stark auf eine einzelne Antriebstechnik. Kommt das dem europäischen Geschmack eher entgegen?
Die Elektromobilität ist ein sehr wichtiges Standbein für uns, und sie wird auch ausgebaut. Dennoch gibt es bei Nissan eine Vielzahl von Verbrennungsmotoren, was auch unsere Allianz mit Renault ermöglicht. Diese Motoren sind sparsam, sorgen aber auch für Fahrfreude. Das trifft den europäischen Geschmack am besten, denke ich.
Welche Rolle spielen für Nissan emotionale Aushängeschilder wie der Z oder der GT-R? Die Verkaufszahlen sind ja eher bescheiden.
Für unsere Markenbildung sind diese Modelle sehr wichtig. Den GT-R nutzen wir intensiv in unserer Kommunikation. Aber es ist uns auch wichtig, über die gesamte Produktpalette verteilt besonders emotionale Fahrzeuge anbieten zu können. Es bringt für das Markenimage nicht gerade viel, ein oder zwei Sportwagen im Portfolio zu haben und mit dem Rest zu langweilen.