Münster. Trotz Finanz- und Absatzkrise hält der Filterhersteller Hengst am Ausbau des Stammsitzes in Münster fest: Im Mai, sechs Monate nach der Grundsteinlegung, soll das Werk 6 wie geplant fertiggestellt werden. Die erweiterten Produktionskapazitäten benötigen die Westfalen für Energetic-Filtereinsätze. Diese werden nach Angaben des geschäftsführenden Gesellschafters Jens Röttgering im Ersatzteilgeschäft stark nachgefragt. Hengst erzielte 2008 inklusive der Industriefiltration rund 260 Millionen Euro Umsatz. Mit 95 Prozent entfällt davon der Großteil auf den Automotive-Bereich. Etwa die Hälfte wird mit Produkten für die Erstausrüstung erzielt.
Investitionen in die Werke
Trotz des starken Nachfragerückgangs in den letzten beiden Monaten des Jahres 2008 konnte der Zulieferer gegenüber 2007 den Umsatz um rund zehn Prozent steigern. Wachstumstreiber waren dabei einige Serienanläufe in der Erstausrüstung wie Aufträge von Volkswagen und General Motors bei Pkw sowie von MAN, Daimler und Deutz bei Lkw. Für 2009 gibt sich Röttgering vorsichtig optimistisch: „In den ersten Monaten erwarten wir, dass sich die Umsätze noch zögerlich entwickeln werden. Grundsätzlich erwarten wir aber ein Umsatzplus.“ Röttgering führt das Familienunternehmen in der dritten Generation und sieht Hengst zusammen mit den Wettbewerbern Mahle sowie Mann+Hummel als einen der Technologieführer bei Filtersystemen.
Weltweit stellt Hengst an acht Standorten mit über 2000 Mitarbeitern jährlich rund 40 Millionen Filtereinsätze her. 80 Prozent der Mitarbeiter sind in Deutschland beschäftigt. „Wir haben erst relativ spät internationalisiert, dann jedoch mit Nachdruck“, sagt Röttgering. So hat der Zulieferer in den vergangenen fünf Jahren fünf Standorte gegründet. Für Röttgering, der sich offen für projekt- und produktbezogene Partnerschaften sieht, „sind Flexibilität und Unabhängigkeit des Unternehmens sehr wichtig“. Derzeit baut Hengst ein neues Werk im chinesischen Kunshan, das im Mai die Fertigung aufnehmen soll. Seit 2005 werden dort in angemieteten Gebäuden Filtrationsprodukte für die Automobilindustrie hergestellt. Zu den Hoffnungsträgern auf Produktseite zählt Röttgering die sogenannte Energetic-Reihe. Bei diesem Filtersystem wird beim Ölwechsel nicht der komplette Filter, sondern nur der Wabeneinsatz getauscht.
Gute Absatzchancen sieht er auch für Multifunktionsmodule, bei denen Komponenten wie Wärmetauscher, Wasserpumpen oder Sensoren in Filtersysteme integriert werden. Auch der Trend zum Downsizing bei Motoren kommt dem Zulieferer zugute, da bei solchen Triebwerken mehr Filter verbaut werden. Zudem sind Systeme zur Kurbelgehäuseentlüftung und zur Ölnebelabscheidung gefragt. Damit die Branche die derzeit schwierigen Zeiten übersteht, plädiert Röttgering dafür, die Belastungen der Zulieferer bei der Vorfinanzierung zu reduzieren – etwa durch Abschlagszahlungen der Autohersteller für Werkzeuge.