München. Die Automobilzulieferindustrie steckt in ihrer wohl schwersten Krise. Laut einer Analyse der Managementberatung Oliver Wyman sind in Deutschland 2009 weitere 50 bis 80 Insolvenzen zu befürchten. Davon könnten bis zu 100.000 Mitarbeiter betroffen sein. In den vergangenen vier Monaten gab es schon über 20 Insolvenzen deutscher Zulieferer oder ausländischer Unternehmen mit Standorten in Deutschland. Bei Wyman ist man davon überzeugt, „dass die europäischen Automobilzulieferer nach dem Umsatzrückgang im Jahr 2008 auch für 2009 mit starken Umsatzeinbußen rechnen müssen“. Das operative Ergebnis, das 2007 durchschnittlich bei 4,3 Prozent lag, werde sich auf nur noch 1,5 Prozent verringern. Im gleichen Zeitraum werde sich der Umsatz von 90 europäischen Zulieferern, die Grundlage der Untersuchung waren, von 165 Milliarden Euro auf 140 Milliarden reduzieren.
Zu den Maßnahmen, die bei den Zulieferern schnell umgesetzt werden müssten, werden in der Analyse genannt: Bestände niedrig halten, Forderungen eintreiben, Lieferantenkredite ausweiten. Eine Schlüsselrolle komme den Banken zu. Sie dürften die Zulieferer „nicht mit unerfüllbaren Forderungen noch weiter unter Druck setzen“. Unterstützung für Zulieferer gibt es von der European Investment Bank. Die Förderbank der Europäischen Union bietet in Zusammenarbeit mit den Geschäftsbanken vor allem für Zulieferer günstige Kredite an. Preisrunden aussetzen Die Berater sehen aber auch die Autobauer in der Pflicht. So würde es den Zulieferern unter anderem helfen, „wenn in der aktuellen Krise die Preissenkungsrunden selektiv ausgesetzt werden“.
Die Experten der Unternehmensberatung Roland Berger gehen davon aus, dass sich die Autobranche frühestens 2012 wieder erholen wird. Der Umsatz der Zulieferer sei Anfang 2009 im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 40 Prozent eingebrochen. Auch bei Roland Berger rechnet man mit einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen, wenn die Produktionszahlen in der zweiten Jahreshälfte nicht kräftig ansteigen.