Regensburg. Ein Blick über den Tellerrand kann manchmal zu neuen Lösungsansätzen führen. So geschehen bei der Regensburger Continental-Division Interior, die sich bei der Unterhaltungselektronik etwas abgeschaut hat: Das Arbeiten mit sogenannten Profilen, wie es sich beispielsweise bei Fotoapparaten bewährt hat. "Beim Bedien- und Systemkonzept ,Simplify your Drive‘ kann der Fahrer per Knopfdruck auf verschiedene Fahrzeugprofile direkt zugreifen“, erläutert Helmut Matschi, Conti-Vorstand und Leiter der Division Interior. In einem Demonstrationsauto auf Basis eines VW Passat wurden beim Zulieferer drei Konfigurationen entwickelt und in verschiedenen Komponenten des Autos umgesetzt. Per Knopfdruck kann der Fahrer zwischen einem Eco-, Sport- und Komfortprofil wählen. Dabei verändern sich je nach Wahl Display- Inhalte und Einstellungen von Motor-, Getriebe-, Infotainment- und Komfortsystemen.
Jeder Autohersteller kann dann die einzelnen Profile nochmals mit individuellen Einstellungen auf die Bedürfnisse seiner Klientel abstimmen. Der Fantasie sind bei den Konfigurationsmöglichkeiten kaum Grenzen gesetzt. So bietet der Versuchsträger im Sport-Profil eine Anzeige, die auf das Auto und den Fahrer wirkende Fliehkräfte darstellt. Im Eco-Profil könnte der Fahrer künftig symbolische Eco- Punkte durch eine besonders sparsame Fahrweise sammeln. "So ein Gesamtansatz, wie wir ihn im Demonstrationsfahrzeug zeigen, könnte im Zeitraum zwischen 2015 und 2020 in Serie gehen“, erwartet Matschi. Dem 46- Jährigen ist es wichtig, dass durch das Bedien- und Systemkonzept die Fahrsicherheit erhöht wird, da der Fahrer weniger Funktionen individuell einstellen muss. Conti nimmt dabei nicht für sich in Anspruch, alles selbst zu entwickeln. Da die Fahrzeughersteller nicht bereit sind, für die Entwicklungen im Voraus zu zahlen, gehört es zur Strategie von Matschi, die Entwicklungsaufwendungen im eigenen Hause möglichst gering zu halten. Stattdessen setzt der Manager auf die Zusammenarbeit mit technologisch führenden Zulieferern. "Gleichzeitig sehen wir, dass sich viele unserer Lieferanten im Überlebenskampf befinden, sodass wir unsere Integratorrolle nur dann erfüllen können, wenn auch die OEMs sich der Bedeutung ihrer Rolle bewusst sind und sich zum Wohle des Zulieferernetzwerks einsetzen“, erläutert Matschi.
Gegenüber den Vorjahren muss er doppelt so viel Zeit darauf verwenden, Zulieferer zu betreuen, um sie durch die Krise zu bringen. Ein weiteres Anliegen von Matschi ist die Integration von Internetdiensten im Auto. Denn während zu Hause oder am Arbeitsplatz die Möglichkeiten des World Wide Web kräftig genutzt werden, verlässt sich der Fahrer häufig auf herkömmliche Informationsquellen wie das Autoradio. Matschi: "Wer dennoch während der Autofahrt Zugriff auf Internetdienste haben möchte, der greift heute auf Kosten der Verkehrssicherheit auf mobile Endgeräte zurück. Das ist der falsche Weg, denn Internetdienste im Auto müssen leicht und sicher bedienbar sein.“ Der Manager ist sich bewusst, dass er das Innovationstempo der Consumer-Elektronik nicht auf die längeren Modellzyklen in der Fahrzeugindustrie übertragen kann. Sein Ziel ist es daher, die IT-Plattformen möglichst offen zu halten: "Damit können wir bei Bedarf Entwicklungen aus der Consumer- Elektronik einbinden, ohne in die Elektronikarchitektur des Fahrzeugs eingreifen zu müssen.“