Dormagen. Das ab November geltende EU-Reifenlabel wird das Reifengeschäft nachhaltig verändern. Denn damit werden die wesentlichen Qualitätsmerkmale eines Reifens – Nasshaftung, Geräuschemission und Treibstoffeffizienz – für den Endverbraucher überhaupt erst sichtbar. Nicht zuletzt tritt damit das Thema Verbrauchsoptimierung erstmals in den Fokus der Reifenkunden. Davon zumindest ist Arthur de Bok überzeugt, Präsident von Goodyear Dunlop Europe. „Das Label wird sowohl den Verkauf als auch den Kauf von Reifen verändern. Es wird auf die wichtige Rolle aufmerksam machen, die Reifen für die Verkehrssicherheit spielen, und auf die Qualität, die Premiummarken liefern.“
Bei dem Wunsch nach spritsparenden Reifen stehen sich im „magischen Dreieck“ der Reifentechnik zwei Eigenschaften diametral gegenüber: Einerseits sorgen weichere Gummimischungen für mehr Grip auf nassen Fahrbahnen, sie werden aber auch schneller abgerieben und sorgen für einen höheren Spritverbrauch. Die Reifenforschung schafft es jedoch immer wieder, alle Parameter zu verbessern. „Das Dreieck habe wir zwar nicht durchbrochen, aber doch erheblich erweitert“, sagt Christoph Kalla, der beim Leverkusener Spezialchemiekonzern Lanxess die Forschung im Bereich Kautschuk leitet. Kalla ist überzeugt, dass Lanxess im Wettstreit um immer „grünere Reifen“ gute Karten hat.
Grundlage für seinen Optimismus sind deutlich verbesserte synthetische Kautschuke und die Tatsache, dass Lanxess der weltweit größte Lieferant solcher Synthetik-Kautschuke ist. Konzernchef Axel C. Heitmann erwartet einen regelrechten Boom in dem Segment: „Im Zuge der Einführung von Reifenkennzeichnungspflichten wird der Marktanteil von ‚grünen Reifen‘ aus Hochleistungs-Kautschuk bis 2015 von aktuell 35 auf 50 Prozent wachsen“, hofft er. Deshalb hat Lanxess schon jetzt seine Produktpalette im Kautschukbereich erheblich ausgeweitet und die entsprechenden Produktionskapazitäten an seinen Standorten in Deutschland (Dormagen), Brasilien (Cabo) und Frankreich (Port Jérôme) vergrößert. Zudem soll 2015 eine neue Anlage in Singapur in Betrieb gehen, in die Lanxess derzeit 200 Millionen Euro investiert.