München. Mit Bosch, dem US-Zulieferer Delphi und dem japanischen Konzern Denso haben es im Verlauf der ersten Dekade dieses Jahrtausends drei Unternehmen auf die Spitzenposition des umsatzstärksten Zulieferers geschafft. Berücksichtigt wurden bei dem Ranking die in der Erstausrüstung erzielten Umsätze ohne das Nachrüstgeschäft. Delphi hatte seit der Ausgründung aus dem General Motors- Konzern im Jahr 1999 von Bosch die Spitzenposition übernommen. Doch 2004 rückten die Stuttgarter wieder an die erste Stelle. Das Unternehmen profitierte damals von der großen Nachfrage nach Fahrzeugen mit der Fahrdynamikregelung ESP und der wachsenden Verbreitung von Dieselfahrzeugen mit Common- Rail-Einspritzsystemen. Neben Delphi platzierten sich im Jahr 2000 mit Magna, Johnson Controls, Visteon und Lear noch vier weitere nordamerikanische Unternehmen im Zulieferer-Ranking unter den ersten zehn und bildeten so die stärkste Gruppe.
Doch diese Zeiten sind vorbei. Der Niedergang der US-Zulieferindustrie begann sich Mitte des Jahrzehnts abzuzeichnen. Die in den 1990er-Jahren aus den US-Autokonzernen ausgegründeten Zuliefererriesen Delphi, Visteon (Ford) und American Axle (General Motors) gerieten als eigenständige Unternehmen in die roten Zahlen. Beim Ranking des Jahres 2010 war mit Johnson Controls nur noch ein US-Zulieferer in den Top Ten. Von der Schwäche der US-Unternehmen haben in den vergangenen Jahren vor allem japanische und deutsche Zulieferer profitiert. Im Jahr 2009 gelang es Denso für ein Jahr,Bosch von der Führungsposition zu verdrängen. Der Wechsel an der Spitze war auch darauf zurückzuführen, dass die beiden Unternehmen unterschiedliche Geschäftsjahre haben. Während bei Bosch Kalenderund Geschäftsjahr identisch sind, haben die Japaner ein Geschäftsjahr, das am 31. März endet. So wurde bei Bosch das katastrophale erste Quartal des Krisenjahrs 2009 mit berücksichtigt.Bei Denso floss hingegen das für die Branche vom Aufschwung geprägte erste Quartal 2010 mit in die Umsatzbilanz. Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors ist der Erfolg von Denso und anderen japanischen Zulieferern auch darauf zurückzuführen, dass sie beharrlich an der Umsetzung ihrer langfristigen Unternehmensziele gearbeitet haben.Mit hoch entwickelten Komponenten und Systemen für die Modulbaukästen von Honda, Toyota,Nissan und anderen Herstellern haben die dortigen Zulieferer eine Kosten- und Qualitätsführerschaft erreicht,zu der erst heute die europäischen und wenige US-Lieferanten aufgeschlossen haben, so die Analyse der Münchner. Gebunden in den engen Keiretsu- Beziehungen, waren sie zur Internationalisierung und Belieferung der US-amerikanischen und europäischen Transplants der japanischen Fahrzeughersteller gezwungen. „Zudem haben sich japanische Zulieferer im am stärksten wachsenden System der Automobilindustrie, dem Infotainment, hervorragend positioniert“, erklärt Berylls-Geschäftsführer Jan Dannenberg.Aber auch deutsche Familienunternehmen, Mittelständler und Stiftungen konnten sich unter den Top 100 etablieren. Brose, Eberspächer, Getrag, Hella, Mahle, Mann+Hummel, Schaeffler und Webasto zählen heute mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern. Bei Berylls erwartet man, dass sich das Ranking in den kommenden Jahren durch einige Neueinsteiger verändern wird. Insbesondere mit chinesischen und koreanischen Unternehmen sei zu rechnen. „Der deutschen Zulieferindustrie muss vor den Veränderungen nicht bange werden. Im Gegenteil. Bis zum Jahr 2020 werden die globalen Top 100 von deutschen Autozulieferern angeführt werden, die an den Japanern vorbeiziehen“, erwartet Berylls-Automobilexperte Jonas Wagner. Dabei bilden Mittelständler, Familienunternehmen und Stiftungen wie auch schon in der Vergangenheit das Rückgrat der deutschen Zulieferindustrie.Großes Stühlerücken im Zulieferer-Ranking
Mit Bosch, dem US-Zulieferer Delphi und dem japanischen Konzern Denso haben es im Verlauf der ersten Dekade dieses Jahrtausends drei Unternehmen auf die Spitzenposition des umsatzstärksten Zulieferers geschafft. Berücksichtigt wurden bei dem Ranking die in der Erstausrüstung erzielten Umsätze ohne das Nachrüstgeschäft.