Paris. „Wir stellen jetzt Fragen, die lange Zeit nicht mehr gestellt wurden.“ Wenn Axel Breun über die Entwicklung des Designs bei Renault spricht, schwingt Wehmut in seinen Worten mit. Breun verantwortet das Design der Konzeptautos bei Renault. Sein Chef ist seit zwei Jahren der Niederländer Laurens van den Acker (46), der die verkrusteten Strukturen aufbrechen will, die sich unter dem früheren Designchef Patrick le Quément gebildet hatten. „Die Menschen haben ein Stück weit die Liebe zu Renault verloren. Das wollen wir mit emotionalen Autos ändern“, sagt Breun. Van den Acker formuliert es noch poetischer: „Wir wollen die Seele der Autos wiederfinden.“ Fahrzeuge wie der Koleos oder der Latitude, kaum verändert vom koreanischen Partner Samsung übernommen, hatten die Marke zuletzt recht seelenlos erscheinen lassen. „Die Front als Gesicht des Autos und zugleich der Marke muss wieder richtig markant werden – das haben wir in letzter Zeit etwas vernachlässigt. Die Folge davon ist Langeweile“, räumt Breun ein.
Um das Renault-Design aus dem Tiefschlaf zu holen, präsentierte van den Acker 2010 als erstes Projekt das Showcar DeZir: rot wie ein Ferrari, geschwungen wie eine Corvette, diametral öffnende Türen – der Wow-Effekt war gewollt und wurde erreicht. Ein Jahr später folgten in Genf der Captur als Vorbote eines eigenständigen Kompakt-SUV und der kompakte Van R-Space. Der weist bereits viele Elemente der Nachfolger des Scénic und des Modus auf. Zuletzt präsentierte Renault in Frankfurt den Frendzy, eine stylische Fortschreibung der langjährigen Transportertradition bei Renault. Die Botschaft: Aus dem blechernen Kangoo soll ein moderner Kastenwagen mit Nutzwert werden. Bis Ende 2013 will Renault zwei weitere Konzeptautos vorstellen. Vermutlich in Genf im März 2013 soll ein „spritziges, kompaktes und etwas spielerisches Spaßmobil“ kommen, stellt Breun in Aussicht.
Es dürfte recht konkret auf die Vorstellungen von Renault im Bereich Kompakt-SUVs hinweisen. Ende 2013 soll dann in Frankfurt ein größeres, elegantes und sehr reduziertes Auto folgen, dass laut van den Acker für die Lebensphase der „Weisheit und des Wohlstandes“ steht. Das klingt nach verschwurbelter Design-Prosa, doch für den Designchef steckt dahinter ein durchgängiges Konzept. Er sieht seine Entwürfe als Wegmarken auf einer Lebenslinie: „Der DeZir steht für den leidenschaftlichen Beginn einer Liebe, der Captur für die gemeinsame Entdeckung der Welt durch ein junges Paar, der R-Space für die Gründung einer Familie und der Frendzy für Arbeit und Transport im Alltag.“ Ob seine Ideen auch kommerziellen Erfolg haben werden, wird van den Acker bereits im Oktober in Paris unter Beweis stellen müssen. Dann präsentiert Renault den für die Franzosen so wichtigen neuen Clio. Breun verspricht die Abkehr vom automobilen Fastfood: „Die vierte Generation des Clio wird mehr Charakter haben und dynamischer sein als alle Vorgänger zusammen.“