Bergisch Gladbach. Am größten ist der Druck auf die Zulieferer bei der Internationalisierung, so ein Ergebnis des von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Forschungsprojekts. In den vergangenen Jahren hätten die KMU noch vom Produktionswachstum der Premiumhersteller profitiert. Doch damit sei kaum noch zu rechnen. Vielmehr verlieren die Zulieferer am Standort Deutschland derzeit wegen steigender Kosten bei Energie, Löhnen, Steuern und Abgaben an Wettbewerbskraft. „Künftig wollen und müssen die KMU vor allem im Ausland wachsen, während der Personalausbau in Deutschland in den nächsten Jahren nur im Bereich Forschung und Entwicklung sowie Marketing und Vertrieb geplant ist“, so Bratzel. Doch viele kleine Zulieferer betreten mit der Internationalisierung Neuland. Erst 34 Prozent aller KMU (zehn bis 500 Mitarbeiter) sind im Ausland aktiv. Bei Zulieferern zwischen 500 und 1000 Mitarbeitern sind es 75 Prozent. Als Hauptgründe für das Auslandsengagement wurden von den Unternehmen Wachstumschancen (73 Prozent) und Kundenwünsche (70 Prozent) angegeben. 91 Prozent der befragen Zulieferer- KMU sehen in den steigenden Energiepreisen ein großes Problem. So lagen die Kosten für eine Kilowattstunde Industriestrom in Deutschland 2013 bei 11,23 Euro- Cent und damit 19 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Industriestrom kostet in wichtigen Autoproduktionsländern wie den USA im Vergleich zu Deutschland gar weniger als die Hälfte. Auch die hohen Lohnkosten in Deutschland, so 76 Prozent der befragten KMU, gefährden möglicherweise bestehende Arbeitsplätze.
Mittelständler
Großer Druck auf die Kleinen
Kleine und mittelständische Autozulieferer (KMU) befinden sich mitten in einem Veränderungsprozess. „Zur Sicherung der künftigen Überlebens- und Wettbewerbsfähigkeit sind weitreichende Strategieveränderungen und Umbauprozesse notwendig, die manche Zulieferer überfordern werden“, befürchtet Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, der dazu eine Studie durchgeführt hat. Zehn bis 15 Prozent der Unternehmen hält er mittelfristig für gefährdet. Vor allem Produktionsspezialisten mit wenig Engagement im Bereich Forschung und Entwicklung hätten zu kämpfen.