Detroit. Der Versuch des neuen Ford-Großaktionärs Kirk Kerkorian, weitere Aktien des amerikanischen Automobilherstellers zu erwerben, weitet sich zum Konflikt aus. Der Ford-Aufsichtsrat riet den Anteilseignern dazu, vorerst nicht auf das Angebot des US-Milliardärs zu reagieren. Das Gremium kündigte an, es werde, wie vom US-Aktiengesetz gefordert, am 22. Mai Stellung zu Kerkorians Avancen nehmen.
Der gefürchtete Finanzinvestor hatte in der Vergangenheit bereits bei General Motors und bei Chrysler versucht, durch Aktienkäufe entscheidenden Einfluss zu gewinnen - freilich erfolglos. Anfang Mai 2008 übernahm Kerkorian dann überraschend 4,7 Prozent der Ford-Anteile und verkündete, bis zu 20 Millionen weitere Aktien zum Preis von 8,50 Dollar je Papier erwerben zu wollen. Damit würde sein Anteil auf 5,6 Prozent steigen. Kerkorian präsentierte Ford-Chef Alan Mulally umgehend einen Plan zur Stärkung des angeschlagenen Konzerns: Ford solle sich binnen 18 Monaten von der profitablen schwedischen Tochtermarke Volvo trennen und gleichzeitig die unter Kundenschwund leidende US-Marke Mercury verkaufen - wie zuvor schon Jaguar und Land Rover.
Kerkorian verkündete seinen Schlachtplan nicht nur Mulally persönlich, sondern ließ ihn auch über seinen Vertrauten Jerry York den Medien zukommen. Damit steht Mulally unter gehörigem Druck. Marktbeobachter in den USA spekulieren nun, dass Kerkorian Differenzen in der Ford-Familie ausnutzen könnte, um seinen Einfluss zu erhöhen. Der Familienclan hält derzeit noch knapp 71 Millionen Vorzugsaktien und damit einen Stimmrechtsanteil von 40 Prozent. Seit 1999 ist der Wert dieser Beteiligung von mehr als zwei Milliarden Dollar auf heute nur noch 578 Millionen Dollar geschrumpft.
Durch den Verkauf von Volvo könnte Ford seine Kernmarke stärken und zugleich die in den USA immer noch angesehene Premiummarke Lincoln revitalisieren, erklärte Kerkorians Vertrauter. Branchenexperten taxieren den Wert von Volvo auf rund sieben Milliarden Dollar.
Volvo-Chef und Ford-Vorstandsmitglied Lewis Booth reagierte prompt. Volvo stehe nicht zum Verkauf, betonte er. Zugleich räumte er aber ein, dass sich die Schweden anders aufstellen müssten. "Wir müssen Volvo aus diesem Niemandsland herausbekommen. Wir müssen die Marke auf den Werten Sicherheit und Umweltverträglichkeit aufbauen."
Ford bleiben kaum Alternativen zu einem Verkauf von Volvo. Der wichtige Heimatmarkt schrumpft weiter, und die Kreditkrise in den USA erschwert das Neuwagengeschäft zusätzlich. Im April gingen die Absatzzahlen von Ford in den USA im Vergleich zum Vorjahresmonat um 19 Prozent zurück. Analysten sehen Ford bei seiner Restrukturierung zwar weiter als Chrysler und General Motors. Die Ratingagentur Fitch erklärte jetzt aber, Ford werde 2008 weiter erhebliche Bargeldabflüsse verzeichnen und auch 2009 rote Zahlen schreiben, wenn keine Trendwende erfolge. Mulally dagegen hat für 2009 die Rückkehr in die Gewinnzone versprochen. Das Jahr 2007 sei ein "positiver Wendepunkt" gewesen, sagte er am 8. Mai bei der Hauptversammlung von Ford. "Unser Plan funktioniert, und wir halten an ihm fest", bekräftigte der Ford-Chef.