Detroit/Bilbao. General Motors steht vor der Rückkehr an die Börse und sieht sich deshalb stark genug für die Sanierung von Opel aus eigener Kraft. Vermutlich schon im Herbst werde GM aufs New Yorker Börsenparkett zurückkehren, heißt es in amerikanischen Finanzkreisen. Die US-Regierung, die rund 61 Prozent an GM hält, rechnet mit einem Erlös von 15 bis 20 Milliarden Dollar. Der erhoffte Geldstrom machte GM-Chef Ed Whitacre jetzt so selbstbewusst, dass er bei der Sanierung von Opel auf die Staatshilfe der Europäer verzichtete. Für Optimismus bei GM sorgt auch der Anstieg der US-Verkäufe bis Ende Mai um 15 Prozent.
Die Zeit der Negativschlagzeilen sei vorbei, rief deshalb Opel- Chef Nick Reilly vor zwei Wochen den skeptischen Opelanern in Bochum zu. Tags zuvor hatte er beim Automotive News Europe Kongress in Bilbao erklärt, nach dem Restrukturierungs-Kraftakt schon 2011 wieder schwarze Zahlen zu schreiben. "2012 werden wir in unseren Werken eine Auslastung von 100 Prozent erreichen“, kündigte er an – wohl wissend, dass die Kapazitäten in Europa bis dahin um 20 Prozent gekappt sein sollen. Den Großteil der Aufgabe will er noch im laufenden Jahr stemmen.
Branchenexperten trauen dem Opel-Chef inzwischen zu, die Herausforderung zu bewältigen. "Die Voraussetzungen, das Markenimage von Opel wieder auf das hohe Niveau der 70er-Jahre zu heben, sind nicht schlecht“, sagt Helmut Surges, Partner der Düsseldorfer Unternehmensberatung Management Engineers. Er traut Opel eine Renaissance zu. Die aktuelle Produktpalette sei technisch, designmäßig und qualitativ "auf Augenhöhe mit den Top Fünf der relevanten Wettbewerber“, urteilt Surges, der Opel aufgrund eigener Mandate gut kennt. Noch viel Potenzial sieht er in der Ingenieurskraft der deutschen Marke: "Das Label ,Designed and developed in Germany‘ ist hilfreich für die Imageentwicklung.“ Die Frage sei jetzt vor allem, ob Opel das verlorene Terrain beim Image wieder aufholen könne. "Das Wichtigste ist, Opel muss jetzt aus den Negativschlagzeilen herauskommen.“
Auch Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut in Duisburg-Essen traut Reilly zu, das Steuer herumreißen zu können. "Wenn er es schafft, Opel auf der Innovations- und Produktebene wirklich voranzubringen, dann hat Opel eine Zukunft.“ Mit Rita Forst als Entwicklungschefin könne dies gelingen. "Dazu müssen die Amerikaner Opel aber den nötigen Freiraum geben.“ Dass der Sanierungsplan mit 8300 Stellenstreichungen in Europa, davon 3900 in Deutschland, das letzte Wort sein wird, glauben die Experten nicht. Ein "Gemetzel“ befürchtet Berater Surges aber auch nicht. "Es gab in den vergangenen 20, 30 Jahren in Europa nicht einen Fall, bei dem die Automobilbranche in einem einzigen brutalen Schnitt ihre Kapazitäten angepasst hat. Das ist politisch nicht durchsetzbar.“