Köln. Der Getriebespezialist Getrag ist international auf Expansionskurs und hat für sein neues Doppelkupplungsgetriebe namens Powershift erstmals Kunden außerhalb der Ford-Gruppe gefunden. So wird das Sechsganggetriebe ab Frühjahr 2008 in einer Sportversion im neuen Mitsubishi Lancer Evolution eingebaut.
Hauptziel bei der Entwicklung des neuen Getriebes war die Einsparung von Kraftstoff. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Wandler-Automatik spare ein Powershift-System mindestens vier Prozent Treibstoff ein, in bestimmten Konfigurationen sogar bis zu zwölf Prozent, sagt Hans Terbrüggen, Leiter Vertrieb und Strategie beim Joint Venture Getrag Ford Transmissions. "Wir gehen davon aus, dass die Kunden vor allem die höhere Effizienz eines Doppelkupplungsgetriebes interessiert", sagt Terbrüggen.
Preislich bewege sich das Powershift-Getriebe zwar noch etwas oberhalb einer herkömmlichen Automatik, was aber an den derzeit noch geringen Stückzahlen liege. "Mittelfristig wird sich der Preis auf Automatik-Niveau einpendeln", glaubt der Getrag-Manager. Volkswagen habe mit seinem Direktschaltgetriebe (DSG) die Akzeptanz für diese Technologie beim Kunden geschaffen, räumt Terbrüggen ein und fügt schmunzelnd hinzu: "Wir sind Volkswagen dankbar, dass sie ihr Produkt nicht an jeden verkaufen."
Der Endkunde wird das Getrag-Getriebe zum ersten Mal in der Zweiliter-TDCi-Version des neu designten Ford Focus ordern können, der ab Januar beim Händler steht. Mitte 2008 läuft dann die Produktion einer Variante für sportliche Fahrzeuge mit Hinterradantrieb an. Erster Kunde ist BMW mit den M-Modellen.
Getrag wird sein Hightech-Getriebe auch für Chrysler in Nordamerika bauen. Dazu entsteht derzeit in Indiana ein neues Werk, an dem Getrag zu 85 Prozent beteiligt ist, Chrysler zu 15 Prozent. Die Produktion in Indiana soll im Jahr 2009 starten. "Wir stehen auch in Gesprächen mit Daimler", sagt Terbrüggen, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen.
Besonders wichtig für den Getriebespezialisten aus Köln wird ein neues Werk im Dollar-Raum Mexiko sein, das ab Herbst 2009 den nordamerikanischen Mark mit kleineren und leichteren Trocken-Doppelkupplungsgetrieben beliefern soll. Statt mit Öl wird dieses Getriebe mit Luft gekühlt. Das Startvolumen soll bei 250.000 Einheiten pro Jahr liegen, ausgelegt ist das Werk aber für eine Kapazität von 600.000 Getrieben. Als Kunde habe man bereits "zwei nordamerikanische Hersteller" gewonnen, berichtet Terbrüggen.
Als nächsten Schritt will Getrag seine Doppelkupplungsgetriebe Hybrid-tauglich machen. Technologiepartner ist dabei Bosch. Ein fahrbarer Prototyp ist aber noch nicht in Sicht, auch ein Auftrag liegt derzeit noch nicht vor. Vertriebschef Terbrüggen ist aber optimistisch: "Wir sind zurzeit auf Verkaufstour. Und es läuft prima."