München. Laut Andreas Cornet, Zuliefererexperte und Leiter der Studie, wird sich der Umsatz der weltweiten Zulieferbranche bis 2020 trotz eines derzeit stagnierenden Europa- Geschäfts etwa verdoppeln – auf 1,7 bis zwei Billionen Euro. Doch das Wachstum wird sich künftig aus anderen Quellen speisen. „Ein Großteil entfällt auf Umsätze mit Asien, Produkte für die A-, B- und C-Segmente im Pkw- Bereich, ein starkes Ersatzteilgeschäft sowie Lösungen für die Themen CO2-Reduktion oder Elektrifizierung“, so Cornet. Technologieführerschaft allein ist dann für Zulieferer nicht mehr ausreichend, „sie müssen auch operativ zu den Top-Performern gehören und eine global wettbewerbsfähige Kostenposition und Lieferstruktur besitzen.“ ZF-Chef Stefan Sommer hat für sein Unternehmen dieses Ziel bereits formuliert: „Unsere Aufgabe ist es, zu den Zulieferern zu gehören, die über Kosten- und Technologieführerschaft beides zwingend miteinander kombinieren.“ Zu den Gewinnern zählten laut McKinsey in den vergangenen zehn Jahren vor allem die ganz großen Zulieferer. Die 20 umsatzstärksten Unternehmen schafften im Zeitraum von 2001 bis 2011 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 6,6 Prozent und erreichten eine EBIT-Marge von 4,5 Prozent. Der Schnitt der 100 größten Zulieferer lag hingegen bei einem Wachstum von 5,7 Prozent und 4,0 Prozent EBIT-Marge. Die Top 20 zeichneten sich gegenüber den kleineren Zulieferern auch dadurch aus, dass sie ihr Kapital häufiger umschlagen, das Geschäft auf mehr Kunden verteilen und ein deutlich breiteres Komponentenportfolio abdecken. Auch die Managementberatung Staufen mahnt bei den Lieferanten eine zu hohe Abhängigkeit von einzelnen Kunden an. „Bisher haben nur wenige Zulieferer Maßnahmen ergriffen, um die starke Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen und Branchen zu verringern“, kritisiert Staufen- Vorstand Jens Zimmermann. Größe ist jedoch nicht der einzige Weg zum Erfolg. Unter den erfolgreichsten Zulieferern finden sich auch viele mittelgroße Unternehmen mit einem Jahresumsatz von teilweise deutlich unter einer Milliarde Euro. Diese Firmen hätten es geschafft, attraktive Nischenpositionen zu besetzen und zu verteidigen, so Cornet. Interessant ist für ihn, dass nicht unbedingt die Unternehmen mit den höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F & E) zu den Innovationsführern zählten. „Erfolgreiche Zulieferer schaffen es häufig, für weniger Geld mehr erfolgreiche Innovationen zu entwickeln.“ Wichtig sei es hier, das Budget für F & E sehr gezielt einzusetzen und die richtige Balance zwischen der Position als Technologiepionier (Lead Developer) und Technologiefolger (Fast Follower) zu entwickeln. Während die meisten der untersuchten Lieferanten die Gewinnschwelle bei rund 80 Prozent des Jahresumsatzes erreichen, arbeiten die besonders erfolgreichen Zulieferer „agiler“ und sind teilweise schon ab etwa 60 Prozent profitabel, so die Autoren. Zwar glaubt Cornet weiter an die Zukunft Europas als Produktionsstandort, „aber Fahrzeughersteller wie Zulieferer müssen sich genau überlegen, wie viele Kapazitäten in den jeweiligen Märkten gebraucht werden.“ Stefan Wolf, Vorstandschef des Dichtungsanbieters ElringKlinger, erwartet eine Verlagerung der Entwicklungskapazitäten. „Das wird in diesem Bereich früher oder später genauso kommen wie in der Produktion.“ Cornet prognostiziert, dass die Zulieferer künftig mit weniger Geld auskommen müssen. „Das Kapital muss daher gezielter eingesetzt werden und darf nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden“ – sonst nützt der schönste Wandel nichts.
Geänderte Erfolgsrezeptur
Die europäische Zulieferindustrie befindet sich in einem dramatischen Paradigmenwechsel. Denn die altbekannten Erfolgsfaktoren wie Innovationsstärke, hohe Qualitätsstandards und enge Beziehungen zu den etablierten Autoherstellern allein werden nicht ausreichen, um künftig erfolgreich zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung McKinsey in einer aktuellen Studie mit dem Titel „New rules for winners“, die mit Unterstützung des europäischen Zuliefererverbands CLEPA erarbeitet wurde.