München. Ein solcher Jahresbeginn dürfte auch für freundliche Mienen bei den Autoherstellern sorgen, zumindest bei jenen, die über eine Motorradsparte verfügen. BMW blickt mittlerweile bereits auf eine über 90-jährige Tradition beim Motorradbau zurück. Wettbewerber Audi hat mit dem Zukauf der italienischen Marke Ducati erst seit zwei Jahren eine Zweiradsparte im Portfolio. Zudem gehören die japanischen Fahrzeugbauer Honda und Suzuki zu den Anbietern, die auch Motorräder im Programm haben. Der weltweite Zweiradmarkt lag im vergangenen Jahr bei 110 Millionen Maschinen mit Hubräumen ab 50 Kubikzentimeter. Allein 16,8 Millionen verkaufte Weltmarktführer Honda. Zwei Drittel davon entfallen auf den asiatischen Heimatmarkt. In der Mehrzahl handelt es sich um Kleinmotorräder. Zahlen, von denen BMW nur träumen kann. Allerdings konzentrieren sich die Bayern bislang lediglich auf das wesentlich kleinere Segment großer Motorräder mit mehr als 500 Kubik. Doch nun nimmt BMW auch Motorräder unterhalb dieser Marke ins Visier (siehe Interview). Bei Audi trug die Marke Ducati zuletzt rund 570 Millionen Euro zum Konzernumsatz bei. „Ducati hat 2013 mit mehr als 44.200 verkauften Motorrädern die Bestmarke des Vorjahrs übertroffen. Für 2014 erwarten wir weiteres Wachstum durch die Einführung attraktiver neuer Modelle wie der Monster 1200 und der Diavel“, erklärt Audi-Finanzvorstand Axel Strotbek. „Gleichzeitig bauen wir unser Motorrad-Geschäft in Asien und Südamerika aus.“ Der Manager ist der Meinung, dass Ducati sehr gut zu Audi passt. Dafür findet er mehrere Gründe: „Ducati ist die Premiummarke im Zweiradbereich, und der Markt für hochwertige Zweiräder wird in den nächsten Jahren weiter wachsen.“ Zudem sei die Marke profitabel und „erwirtschaftet Renditen auf Audi-Niveau“. Honda, einziger Hersteller weltweit, der Modelle von 50 bis 1800 Kubikzentimetern bietet, setzt hierzulande unter anderem auf günstige Einstiegsmodelle im Big-Bike-Markt. Bei Suzuki sieht man grundlegende Wachstumschancen im Bereich der Einsteiger- und Wiedereinsteigerbikes der 48-PS-Klasse. Auch wenn die Blütezeit der Supersport-Modelle vorbei ist, wird beim Unternehmen weiterhin der Wunsch der Kunden nach High-Performance Bikes registriert, mittlerweile allerdings bei unverkleideten Motorrädern. „Ebenfalls haben wir den 125-Kubikzentimeter-Markt im Auge, der ja bereits seit Längerem eine positive Entwicklung zeigt“, erklärt Gerald Steinmann, Marketingmanager bei Suzuki International Europe. Er verweist auch auf die Synergien zwischen der Auto- und der Motorradsparte. So werde in Japan wie auch in Deutschland in vielen Bereichen divisionsübergreifend gearbeitet. „Zudem findet ein stetiger und reger Austausch gerade mit Blick auf neue Technologien statt.“ Bei Audi sieht Strotbek „Potenziale bei der Zusammenarbeit im Bereich der Technischen Entwicklung, zum Beispiel in der Materialforschung“. Honda hebt hervor, dass es Synergien in der Motorentechnik gibt und verweist darauf, einziger Hersteller zu sein, der Doppelkupplungsgetriebe für Autos und Motorräder gleichermaßen anbietet. „Auch wenn wir als Unternehmen im Konzern vollkommen eigenständig arbeiten, wären wir nicht gut beraten, wenn wir alles alleine machen wollten. So gibt es etwa Synergien bei der Entwicklung, beim Vertrieb oder bei Finanzdienstleistungen“, erklärt Stephan Schaller, Chef von BMW Motorrad. Das zeigt sich derzeit bei der Elektromobilität. Hier könne die Motorradsparte von den Entwicklungen der Automobilsparte profitieren. „So können wir beispielsweise die Batterien, die im i3 und i8 Verwendung finden, in unserem elektrischen Maxi- Scooter C Evolution ebenfalls einsetzen.“ Doch dem Austausch von Technik sind Grenzen gesetzt: „Beim Motor geht das zum Beispiel nicht, weil ein Motorradmotor eine völlig andere Charakteristik aufweist als ein Automotor“, erklärt Schaller.
Frühlingsgefühle auf zwei Rädern
Auch Zulieferer engagieren sich bei Zweirädern. Continental ist neben dem Auto auch bei Motorradreifen Vollsortimenter. Verbesserungen im Bereich Sicherheit sehen die Niedersachsen in der Kombination der Reifen mit Fahrerassistenzsystemen – ABS und Traktionskontrolle –, die Bosch ebenfalls anbietet. Das Thema Sicherheit steht bei Bosch im Fokus. Der Zulieferer hat mittlerweile über eine Million ABS für Motorräder verkauft und sieht in der weiteren Verbreitung dieses aktiven Systems einen großen Hebel für die Reduzierung der Verkehrstoten. Die Motorrad- Stabilitätskontrolle (MSC), eine Weltneuheit von Bosch, ging Ende 2013 in der Enduro KTM 1190 Adventure erstmals an den Start. Volkmar Denner, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung und passionierter Motorradfahrer, ist vom Nutzen des Systems überzeugt: „Vergleichbar mit dem ESP im Auto macht MSC das Motorradfahren in allen Fahrsituationen sicherer und dynamischer – in Kurven und bei Geradeausfahrt, beim Beschleunigen und Bremsen.“ Nahezu jeder zweite tödlich verlaufende Motorradunfall in Deutschland passiere in Kurven. „Hier kann MSC helfen.“ Damit dem Frühlingserwachen ein unfallfreier Sommer folgt.