Genf. Ford drängt die Bundesregierung auf eine Verlängerung der Umweltprämie. Bleibe diese Unterstützung aus, sei mit zeitweisen Werksschließungen in Europa zu rechnen, sagte Fords Marketing- und Vertriebschef für Europa, Ingvar Sviggum, der Automobilwoche. „Wenn die Abwrackprämie nicht ausgeweitet wird, zieht das einen dramatischen Nachfrageeinbruch in der zweiten Jahreshälfte nach sich“, sagte der Manager. „Dann müssen wir unter Umständen auch Werke zeitweilig schließen und beispielsweise die kürzlich zurückgezogene Kurzarbeit in Köln wieder einführen.“ Wenn die Nachfrage in einem zentralen Markt wie Deutschland zusammenbreche, dann habe dies Auswirkungen auf die Produktion in ganz Europa, warnte Sviggum. Die deutsche Abwrackprämie belebe nicht nur die Nachfrage in Deutschland massiv, sondern säubere auch den Bestand der von der Krise besonders stark betroffenen Händler, sagte Sviggum.
Sie sorge zudem für umweltfreundlichere und sicherere Fahrzeuge auf den Straßen und bringe der Regierung über die eingesammelte Mehrwertsteuer mehr Geld ein als sie zunächst koste. „Die Prämie ist smart, einfach und sie funktioniert. Mein Appell an die deutsche Regierung ist deshalb: Diese Prämie ist gut für die Autoindustrie, für das Land und für die Verbraucher – also bitte halten Sie an ihr fest.“ Vergleichbare Anreizprogramme der italienischen und der französischen Regierung seien auf mindestens ein Jahr angelegt. In Deutschland ist die Abwrackprämie auf 600.000 Neuwagen limitiert. Bisher gingen rund 190.000 Anträge ein.
Sviggum zufolge liegt Ford derzeit vor allem wegen der Abwrackprämie in Deutschland bei seiner Fiesta-Produktion in Köln über den Erwartungen. Tatsächlich erleben die kleinen Modelle Ka, Fiesta und Fusion seit dem Start der Prämie am 14. Januar einen regelrechten Boom. Bis zum 24. Februar verzeichnete Ford bei diesen Modellen allein in Deutschland einen Auftragseingang von 28.611 Autos – im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 4966 Bestellungen. Für den Gesamtmarkt in Europa zeigte sich Sviggum trotz der staatlichen Anreize skeptisch. Er erwartet in den wichtigsten 19 europäischen Staaten ein Neuzulassungsvolumen zwischen 12,5 und 13,5 Millionen Fahrzeugen in diesem Jahr, sagte er. 2008 hatte es in diesen Staaten 13,56 Millionen Neuzulassungen gegeben. Und das war bereits ein Rückgang um 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.