Rüsselsheim. Ziel des Ampera und des baugleichen Chevrolet Volt war allerdings nicht, irgendwann einmal die Entwicklungskosten zu verdienen. Das E-Auto mit Range- Extender-Verbrennungsmotor war vielmehr von Anfang an als rollender Markenbotschafter geplant. Zumindest auf dem Papier hat der Ampera diese Aufgabe erfüllt: Selten sind über ein praktisch nicht verkauftes Fahrzeug mehr Zeitungsartikel geschrieben worden als über den Stromer von Opel. Nicht zuletzt wurde der Ampera 2012 zum „Car of the Year“ gekürt. Seit dem Marktstart vor rund zwei Jahren wurden knapp 7700 Ampera an Endkunden verkauft. Opel betont gern, dass der Ampera 2012 das meistverkaufte E-Auto in Europa war. In diesem Jahr indes rutschte der Opel in diesem Ranking auf Platz drei ab. Denn die Konkurrenz beim emissionsfreien Autofahren wird von Jahr zu Jahr größer. Wohl auch deshalb senkte Opel-Chef Neumann kurz vor der IAA den Preis des Ampera in Deutschland um fast 8000 Euro und in anderen Ländern in ähnlicher Höhe. Manche Marktstrategen sehen darin ein Eingeständnis, dass das Auto zu der zuvor geforderten Summe von 45.900 Euro angesichts des zunehmenden Wettbewerbs im E-Auto-Segment nicht mehr wettbewerbsfähig war. Schließlich ist der neue BMW i3 ab 34.950 Euro zu haben. Hinter der deutlichen Preissenkung steht aber auch die Erkenntnis, dass ein rollender Markenbotschafter vor allem eines tun sollte, nämlich rollen. Der Ampera jedoch blieb auf der Straße praktisch unsichtbar, die gewünschten Aha-Erlebnisse für die Rüsselsheimer blieben dadurch weitgehend aus. Deshalb konnte der Ampera die ihm zugedachte Aufgabe, die Marke Opel technologisch aufzuladen und als fortschrittlich zu positionieren, nur bedingt erfüllen.
FLOP 2013: Ladenhüter statt Marken-Ikone
Wer höchst exklusive Automobile schätzt, muss keinen Bentley Continental GT für 165.000 Euro ordern. Es reicht, einen Opel Ampera zu bestellen. Zu haben ab 38.300 Euro, Tendenz fallend. Vom Opel und vom Bentley wurden in diesem Jahr etwa jeweils gut 300 Einheiten neu in Deutschland zugelassen. Im Prinzip könnte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann somit persönlich die Fahrzeugübergabe beim Ampera übernehmen. Die Zulassungen gehen dabei zum großen Teil auf das Konto von Händlern und Hersteller.
E-Markt ist preissensibel
Immerhin haben sich die Auftragseingänge seit der Preissenkung laut Opel nahezu verdoppelt. „Ein eindeutiges Indiz, wie preissensibel der Markt von Elektrofahrzeugen nach wie vor ist“, so ein Unternehmenssprecher. Opel-Vorstandsvorsitzender Neumann zumindest hat den Glauben an die E-Mobilität nicht verloren: „Auch zwei Jahre später zeigen wir Geradlinigkeit und setzen unsere Strategie der nachhaltigen Mobilität konsequent fort. Wir bei Opel investieren weiter in Elektroantriebe und glauben an eine emissionsfreie automobile Zukunft.“