Rüsselsheim. Eigentlich müsste Opels neue „Lebenslang“-Garantie an dieser Stelle als mustergültiges Beispiel für kundenorientiertes Denken honoriert werden. Ein Hersteller, der den Käufern seiner Produkte eine solche Garantie zusichert, würde die Automobilbranche gründlich durcheinanderwirbeln. Opel-Vertriebschef Alain Visser hatte dies auch im Sinn, als er das spektakuläre Versprechen im Sommer ankündigte. Für Wirbel sorgt das Angebot inzwischen aber auf andere Weise. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Bad Homburg mahnte Opel zunächst wegen der Verwendung des Begriffs „lebenslang“ ab.
Nach fruchtlosen Gesprächen reichte sie im November Klage beim zuständigen Landgericht Darmstadt ein. Aufgescheucht worden waren die Wettbewerbswächter unter anderem von konkurrierenden Autobauern. „Das Thema Service und sorgenlose Mobilität ist zweifellos richtig, aber so würden wir das nicht machen“, heißt es beispielsweise bei Ford. Opel sieht sich dagegen durch Vertriebserfolge bestätigt. Die Händler verweisen auf viele Neukunden, die das Angebot in die Autohäuser gebracht habe. Tatsächlich ist die „lebenslange Garantie“, die mit dem Symbol für Unendlichkeit wirbt, auf 160.000 Kilometer begrenzt.
Sie kann derzeit ohne Aufpreis nur vom Erstbesitzer in Anspruch genommen werden. Darüber hinaus ist gestaffelt nach Fahrleistungen eine Beteiligung an den Materialkosten im Falle von Garantieleistungen fällig. Mit diesen Einschränkungen ist die Opel-Garantie zwar immer noch großzügiger als die meisten derzeitigen Garantieangebote der Konkurrenz. Ob sie deshalb aber das verlockende Adjektiv „lebenslang“ verdient, muss jetzt ein Gericht klären. Der Streit um die Begrifflichkeit sorgte auch für Verdruss im Opel-Händlerverband VDOH. ZDK-Präsident Robert Rademacher hatte in einem Interview gesagt, wenn die Wettbewerbszentrale die Causa nicht aufgegriffen hätte, „dann hätten wir als ZDK selbst geklagt.“ Viele VDOH-Mitglieder waren darüber entrüstet und drängten die Verbandsspitze, aus dem ZDK auszutreten. Erst nachdem Rademacher die Äußerung bedauert hatte, entschieden sich die Opel-Händler zum Verbleib im Kfz-Verband.