Rüsselsheim. Wenn kein Stein mehr auf dem anderen bleibt, muss man gewöhnlich ein Haus räumen. So erging es in diesem Jahr dem langjährigen Opel-Chef Hans Demant. Viele Opelaner hätten ihm einen schöneren Abschied gewünscht als die stille Räumung seines Schreibtischs. Doch eine Abschiedsfeier für den Ex-Chef gab es aus nachvollziehbaren Gründen nicht. Noch immer schlucken heute hochrangige Opelaner, wenn das Thema Demant angesprochen wird. Denn seit dem 1. Oktober arbeitet der 60- Jährige beim Erzrivalen Volkswagen als "Koordinator für internationale Projekte“. Eine zweifellos bedeutende Aufgabe – doch VW-Lenker Martin Winterkorn, so vermutet man zumindest in Rüsselsheim, ging es bei der Abwerbung auch um tiefe Einblicke in die Zukunft von Opel.
Vor allem soll Demant aber die schlecht laufende Kooperation mit Suzuki voranbringen. "Das war wirklich eine tiefe Enttäuschung für uns“, so ein Mitglied der Opel-Geschäftsführung. "Ein toller Ingenieur, der jahrelang mit Herz und Verstand für die Marke eintrat – und dann so etwas.“ Demant hatte 38 Jahre lang Schlüsselpositionen bei Opel inne. Von 2004 bis Anfang 2010 stand der gelernte Maschinenbauer als Vorstandsvorsitzender beziehungsweise als Vorsitzender der Geschäftsführung der Adam Opel GmbH, die im neuen Jahr wieder zur AG umfirmiert, an der Spitze des Autobauers. Im November 2009 entschied sich dann General Motors bekanntlich gegen einen Verkauf von Opel an Magna. Das war das Aus für GMEuropa- Chef Carl-Peter Forster. Zu seinem Nachfolger machten die Granden in Detroit den Briten Nick Reilly, der mit Wirkung zum 15. Januar 2010 auch Vorsitzender der Geschäftsleitung der Adam Opel GmbH wurde.