München. Die Hauptsorge der Industrie: der zunehmende Fachkräftemangel. Auch bei BMW sieht man daher in der Frühverrentung einen „Schritt in die falsche Richtung, da sie den Fachkräftemangel weiter vorantreibt“, wie ein Sprecher betont. Dank des Renommees der Marke spüre BMW diesen zwar kaum. Aber auch für den Automobilhersteller hat es Folgen, wenn Zulieferern und Entwicklungsdienstleistern Fachkräfte fehlen. Das unterstreicht auch Rainer Gölz, Geschäftsführer von Witte Automotive: Durch die Neuregelung „werden uns langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit all ihren Berufserfahrungen frühzeitig verlorengehen“. Martin Peters, geschäftsführender Gesellschafter von Eberspächer, hält die Rente mit 63 für „ein falsches Signal. Es wird suggeriert, dass es etwas zu verteilen gibt. Doch dieser Verteilungsspielraum besteht aus meiner Sicht nicht.“ Matthias Wissmann differenziert bei den mutmaßlichen Auswirkungen nach Arbeitnehmergruppen: Man rechne damit, „dass die Rente mit 63 vor allem von Facharbeitern genutzt wird“. Von Ingenieuren, so der VDA-Präsident, werde die Rente mit 63 vermutlich weniger genutzt werden, da Akademiker später ins Arbeitsleben eintreten. Die Einwände aus der Branche gehen über direkte Betroffenheit hinaus. Witte Automotive-Chef Gölz bemängelt, dass die Regelung die Rentenkassen zuungunsten der jüngeren Generation belaste und mittelbar der Standort Deutschland leide. Das unterstreicht auch VDA-Präsident Wissmann. Die abschlagsfreie Rente mit 63 „kann nur eine Übergangslösung sein, denn die Kosten für die Rentenversicherung sind enorm.“ Gleichzeitig mahnt er, wie die Unternehmen auch, mehr Flexibilität an: „Umso wichtiger ist es, dass sich zum Beispiel ein erfahrener 64-jähriger Ingenieur entscheiden kann, länger als bis 65 zu arbeiten.“ Das solle der Staat durch Vorteile bei den Sozialbeiträgen honorieren.
Verschärfung des Fachkräftemangels
Flexibilität statt Frühverrentung
In der Automobilindustrie trifft die nun beschlossene Rente mit 63 Jahren auf einhellige Ablehnung. „Die Entscheidung für die Rente mit 63 halten wir für völlig verkehrt“, sagte etwa Arndt G. Kirchhoff der Automobilwoche. Der Chef der Kirchhoff-Gruppe und Vertreter der Zulieferer im VDA-Präsidium ergänzt: „Damit geht die Entwicklung in die falsche Richtung. In der Branche hat niemand Verständnis dafür.“