München. Mancher Manager von General Motors wird sich noch mit Schrecken an die Erfahrungen mit dem Elektroauto EV1 erinnern. Vor zwölf Jahren brachte der US-Autobauer das Fahrzeug auf den Markt. Nach nur 1117 Exemplaren verschwand das für rund eine Milliarde Dollar entwickelte Vehikel mangels Nachfrage wieder in der Versenkung. Doch explodierende Ölpreise, Probleme bei Biokraftstoffen und Forderungen der Politik nach sinkenden CO2-Emissionen sorgen weltweit für forcierte Anstrengungen der Fahrzeugindustrie beim Thema Elektroauto.
Erste Vorboten bereichern das Straßenbild. So surrt an den Londonern gelegentlich ein Smart mit Elektromotor vorbei, der so die City-Maut spart. Und dem norwegischen Unternehmen Think Global liegen bereits über 3500 Vorbestellungen für das 20.000 Euro teure Elektroauto Think City vor.
Doch von einer starken Verbreitung der Elektroautos kann nicht die Rede sein. Produktionszahlen von über 100.000 Fahrzeugen pro Hersteller erwarten Branchenkenner erst nach 2020. Für Wolfgang Bernhart, Automobilexperte bei der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants, ist es noch offen, "welcher Anteil der Fahrzeuge davon rein elektrisch betrieben wird und welcher über einen sogenannten Range Extender verfügt, der eher bei großen Fahrzeugen eingesetzt wird". Gemeint ist mit dem Range Extender ein zusätzlicher Verbrennungsmotor, der, ähnlich wie beim E-Flex-Konzept von General Motors, primär dazu dient, als Generator die Batterie wieder aufzuladen.
Basierend auf dem für 2010 geplanten Concept-Car Volt von Chevrolet plant GM-Vorstandschef Rick Wagoner weitere elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Und VW-Konzernchef Martin Winterkorn gibt sich kämpferisch: "Wir müssen die Ersten sein, die eine abgasfreie, sichere, preiswürdige Großserienlösung bieten." Wenn der Kleinwagen VW Up! im Jahr 2010 auf den Markt kommt, "werden wir auch die ersten Elektrofahrzeuge zeigen", macht Winterkorn Druck. VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg rechnet damit, dass Elektroautos mit langstreckentauglicher Reichweite jedoch nicht vor 2020 auf den Markt kommen werden.
Wichtigste Voraussetzung für eine stärkere Verbreitung von Elektrofahrzeugen sind sinkende Preise für Lithium-Ionen-Batterien. Zu deren großen Kostenblöcken zählen etwa die Leistungselektronik und die Kühlungstechnik. Gerhard Schmidt, Leiter Forschung und Vorentwicklung bei Ford, nennt 500 Dollar je Kilowattstunde Speicherleistung als Kostenziel. "In den nächsten Jahren werden Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge aber vier- bis fünfmal so teuer sein", dämpft er allzu große Erwartungen.