Herr Holeksa, welche Bedeutung haben bei ZF soziale Medien zur Rekrutierung von Fachkräften?
Wir nutzen die sozialen Medien sehr gezielt um unsere Zielgruppen zu erreichen und beobachten die Vorgänge, da diese eine zunehmende Bedeutung erhalten. Insgesamt spielen die sozialen Medien in der Personalarbeit, nicht nur bei der Rekrutierung, eine wachsende Rolle.Wo sind Sie aktiv?Wir sind unter anderem auf den beruflichen Plattformen LinkedIn und Xing präsent. Aktiv sprechen wir aber nur ganz vereinzelt Menschen in sozialen Netzwerken an.Warum ist das so?Aus Umfragen wissen wir, dass die User es häufig gar nicht so toll finden, wenn sie in privaten Netzwerken direkt angesprochen werden. Auf Xing oder LinkedIn ist dies nicht der Fall.Das heißt, sie nutzen die sozialen Medien in erster Linie um sich als Arbeitgeber zu positionieren?Ja, die User wollen lieber sehen, ob ein Unternehmen dort präsent ist und wie dessen Auftritt ist. Nehmen Sie beispielsweise Facebook. Dort sind derzeit in Deutschland etwa 26 Millionen User aktiv. Selbst wenn nicht jeder Facebook-User im erwerbsfähigen Alter ist, bleiben immer noch etwa 20 Millionen Menschen übrig. Das bedeutet, ich erreiche potenziell 20 Millionen Berufstätige jeder Altersgruppe im Netz, wenn ich mich aktiv mit dem Medium beschäftige.Was machen Sie konkret?Beispielsweise geben wir Einblicke in unsere Arbeitswelt und stellen technische Beiträge auf Youtube ein. Zudem beobachten wir aktiv, wie über uns als Unternehmen in den sozialen Netzwerken berichtet wird. Es ist wichtig zu wissen, ob man einen guten Ruf als Arbeitgeber hat. Wenn man das weiß, kann man sein Engagement anders dosieren, als wenn in den Medien negativ über einen berichtet wird.Welche Berufsgruppen wollen Sie insbesondere ansprechen?Ich würde das nicht an Berufsgruppen festmachen, auch wenn ZF als Technologieführer in der Automobilindustrie eher technikaffine Menschen anspricht. Vielmehr ist das eine Generationenfrage. Jüngere Menschen haben eindeutig einen anderen Zugang zu sozialen Medien. Die Neudeutsch genannte Generation Y, also die zwischen 1980 und 1990 Geborenen, nutzen diese sozialen Medien ganz selbstverständlich.Welche sozialen Netzwerke sind Ihnen besonders wichtig?Unser Fokus erstreckt sich bislang auf die großen Plattformen wie Facebook, Youtube, LinkedIn, Xing oder auch Twitter – auf denen wir noch unterschiedlich stark vertreten sind, dies aber gezielt in naher Zukunft ausbauen. Nicht zu vernachlässigen sind aber auch die vielen branchen- und zielgruppenspezifischen Weblogs und Foren. Diese sind nicht nur für die Rekrutierung sondern auch für das Marketing des Unternehmens von Bedeutung.Was machen Sie dort?Teilweise hören wir ‚nur‘ zu, das heißt, wir verfolgen Diskussionen und Themen, die sowohl uns als auch die gesamte Automobilbranche betreffen. Bei den von uns genutzten Kanälen geben wir den Usern relevante Informationen zu uns, unserem Produkt- und Serviceportfolio sowie Einblicke in die internationale Arbeitswelt bei ZF.Welche Bedeutung hat für Sie die Zusammenarbeit mit Hochschulen für die Rekrutierung, etwa wenn Sie Lehrstühle unterstützen?Da gibt es einen Nutzen für die Hochschulen und für ZF. Zunächst einmal verstehen wir unser Engagement in der Hochschulausbildung als gesellschaftliches Engagement. Als einen Beitrag des Unternehmens, um die Hochschullandschaft zu stärken. Dieser Aspekt ist mir persönlich besonders wichtig. Die Hochschule kann beispielsweise Forschung auf Gebieten betreiben, was ihr sonst nicht möglich wäre. Und die dortigen Ergebnisse kommen wiederum dem Unternehmen zugute. Sei es über Studienabschlussarbeiten oder über Forschungsergebnisse.Wie umfangreich fällt Ihr Engagement aus?Mittlerweile fördern wir sieben Lehrstühle, davon sechs in Deutschland und einen in China. Wir sind aber auch in der Rennserie Formula Student sehr aktiv, die an vielen Hochschulen präsent ist. Aktuell fördern wir weltweit 22 Teams. Das kommt auch unserem Personalmarketing zugute, weil wir dadurch unsere Position als potenzieller Arbeitgeber in den umkämpften Märkten der Fach- und Führungskräfte in technischen Funktionen steigern können. Wir gewinnen an Bekanntheit, was sich auch in den einschlägigen Rankings ablesen lässt.Wie bewerten Sie die Qualität der Hochschulausbildung?Eine pauschale Aussage ist nicht möglich. Ich denke, dass der Hochschulausbau der vergangenen Jahre der richtige Weg war. Und nach wie vor ist eine Hochschulausbildung die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Oder anders ausgedrückt: Mit der Hochschulausbildung habe ich exzellente Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Es müssen nur die richtigen Schwerpunkte gesetzt werden. Insbesondere durch die Verzahnung von Industrieunternehmen und Hochschulen lässt sich einiges Positives erreichen.Und wo liegen die Schwächen?Die Hochschulausbildung ist nach wie vor zu wenig differenziert. Wir verlieren im System noch zu viele Studierende. Teilweise gibt es bei den Studienabbrechern Quoten von bis zu 40 Prozent. Das ist schade. In diese Studierenden wurde investiert und wenn es dann zu keinem Abschluss kommt, müssen wir die studienbegleitende Qualifizierung noch einmal überdenken. Ich würde es begrüßen, wenn sich die Hochschulen noch stärker öffnen würden für Menschen, die Interesse an einem Studium haben, ohne die klassische Hochschulreife mitzubringen. Ansonsten können wir nicht feststellen, dass durch die Einführung des Bachelors die Qualität der Abschlüsse, also die unmittelbare Berufstauglichkeit, gelitten hätte.Welche Ziele verfolgt ZF beim Frauenanteil in Führungspositionen?Wir haben uns vorgenommen bis zum Jahr 2020 den Anteil weiblicher Führungskräfte zu verdoppeln. Die entscheidende Maßnahme dabei wird es sein, dass wir an allen Standorten Deutschlands unsere Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöhen. Das ist für uns ganz klar der Schlüssel zur Erhöhung des Frauenanteils. Wir haben beispielsweise in Friedrichshafen in den vergangenen zwei Jahren die Anzahl der Heimarbeitsplätze vervierfachen können. Wir denken auch über andere Arbeitszeitmodelle nach und wir wählen auch unsere Bewerber anders aus.Können Sie uns dafür ein Beispiel nennen?Früher sind wir vielleicht damit zufrieden gewesen, dass wir drei Männer im engeren Kreis der Bewerber hatten. Heute suchen wir gezielt auch nach geeigneten Bewerberinnen. Die Diskussion um die Erhöhung des Frauenanteils verändert jedenfalls unser Bewusstsein.ZF hat kürzlich einen Innovationspreis für Mitarbeiterideen ins Leben gerufen. Warum jetzt diese Auszeichnung?Wir als innovationsabhängiges Unternehmen müssen weiterhin den Erfindergeist unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fördern. Da können wir uns nicht auf dem Erreichten ausruhen. Wir haben ein Zwei-Säulen-Modell. Zum einen gibt es das betriebliche Vorschlagswesen. Das ist an allen deutschen Standorten und auch an einigen Standorten in Ländern außerhalb Deutschlands in einer ähnlichen Form bereits etabliert. Und wir haben beim Innovationspreis erstmals aus der Fülle von Ideen fünf herausgegriffen, die besonders herausragend waren.Interview
"Es ist wichtig zu wissen, ob man einen guten Ruf als Arbeitgeber hat"
Neben sozialen Netzwerken setzt Jürgen Holeksa, Personalchef beim Zulieferer ZF Friedrichshafen, auch auf einen Ausbau der Hochschularbeit und will bis 2020 den Anteil weiblicher Führungskräfte bei Getriebe- und Fahrwerksspezialisten verdoppeln. Welche Werkzeuge will er dafür nutzen?