München. Die Scheibe, die ohne Drähte auskommt, vereint dabei die Vorteile der Infrarot-reflektierenden Frontscheibe mit denen der Drahtheizung. Eine hauchdünne Beschichtung im Scheibenverbund bietet Sonnenschutz im Sommer und lässt sich im Winter heizen. Nach Angaben des Zulieferers könne so nur noch 40 Prozent Wärme ins Auto gelangen statt der üblichen 65 Prozent einer herkömmlichen Scheibe aus Grünglas. Bislang ist die neuartige Scheibe im VW Passat und im Golf erhältlich. „Aber es gibt noch eine Reihe von Fahrzeugen, die schon bald damit auf den Markt kommen werden“, so Dupin. Das soll auch die Umsätze voranbringen. „Mittelfristig, also in den kommenden drei bis fünf Jahren, wollen wir mit Klimakomfortscheiben 20 bis 30 Millionen Euro pro Jahr umsetzen. Langfristig, also etwa in sieben bis acht Jahren, halten wir einen weltweiten Umsatz von 50 bis 80 Millionen Euro für möglich.“ Der Unternehmenslenker weiß auch von US-Autobauern, die an der Entwicklung „sehr interessiert“ sind. Einziger Wettbewerber der Franzosen auf diesem Gebiet ist der japanische Zulieferer Asahi Glass, kurz AGC. „Im Bereich Automobilverglasung haben wir 2012 rund zwei Milliarden Euro umgesetzt“, sagt Dupin. Für das laufende Jahr erwartet er mit solchen Produkten einen Umsatzanstieg von vier bis fünf Prozent. Insgesamt hat der Konzern im vergangenen Jahr 43 Milliarden Euro umgesetzt. Das Geschäft mit der Autoindustrie macht bei Saint-Gobain rund 2,5 Milliarden Euro aus.
Durchblick ohne Drähte
Neben Klimakomfortscheiben verspricht sich Dupin auch von Dünnglaslösungen Geschäft im Segment der Elektroautos. „Die Scheiben werden definitiv dafür sorgen, die Reichweite dieser Fahrzeuge zu verbessern. Wir stehen beim Thema Elektromobilität in einem engen Kontakt mit den Fahrzeugherstellern.“ Beim Dünnglas dürfe die Gewichtsreduzierung allerdings auf keinen Fall andere Eigenschaften wie Sicherheit und Akustik beeinflussen. „Da wollen die Automobilhersteller und auch wir keine Kompromisse eingehen.“ Laut Dupin lassen sich bei einer Windschutzscheibe rund zwei Kilogramm Gewicht einsparen. „Für die komplette Verglasung eines Mittelklasseautos mit etwa sechs Quadratmetern Glasfläche erreichen wir eine Gewichtsreduzierung von etwa zwölf Kilogramm. Die erste Anwendung für diese vier Millimeter dicke Frontscheibe haben wir im Sportwagen La- Ferrari“, so Dupin. Eine komplette Ausstattung mit Leichtglas habe noch kein Autobauer in Serie.