Der Zulieferer ZF wird gern als „schwäbisches Stiftungsunternehmen vom Bodensee“ bezeichnet. Solide, fleißig, technikfixiert. Doch ZF ist auf dem Weg in neue Dimensionen. Mit der TRW-Übernahme entsteht ein globaler Player, der auch vor ganz großen Umsatzzielen nicht zurückschreckt. Das ist das neue schwäbische Denken: Kopf im Himmel, Füße auf der Erde. Mit viel Selbstbewusstsein tritt der Konzern gegen die deutschen Marktführer Bosch und Continental an. Der kumulierte Umsatz von ZF/TRW ist jetzt schon fast so hoch wie der von Bosch.
Der Druck zu Neuentwicklungen und Innovationen nimmt dadurch zu, da kann der gesamte Zuliefermarkt nur profitieren. Eine neue Angriffslust, die die Autobranche verändern wird. ZF hat sich mit TRW ein Stück automobile Zukunft einverleibt. Die Amerikaner sind auf Fahrerassistenzsysteme spezialisiert, die Vorstufe des autonomen Fahrens. Dazu passt, dass ZF jetzt ein eigenes elektrisches Stadtauto präsentiert hat.
Die Herausforderungen für ZF-Chef Stefan Sommer sind dennoch nicht gering. Erstens: die Rendite. Es muss Geld verdient werden, zumal der TRW-Preis von 12,4 Milliarden Dollar auf ZF lastet, auch wenn das Unternehmen sich selbst nettoschuldenfrei sieht. Einsparungen, wie jetzt von Sommer in der Automobilwoche angekündigt, sind ein Weg. Der Druck wird steigen. Zweitens: die Unternehmenskultur. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Fusion von Deutschen und Amerikanern am „Clash of Cultures“ scheitert. Manche „Hochzeit im Himmel“ musste frustriert geschieden werden. Doch ZF hat den Vorteil, dass TRW gar nicht so amerikanisch ist; der Konzern hat bereits Forschung in Deutschland.
ZF/TRW kann eine Blaupause für die Branche sein: Bei Zukunftsthemen wie dem vernetzten Auto, dem autonomen Fahren, Big Data oder Carsharing sind Kompetenzen gefragt, die Hersteller und Zulieferer auch werden einkaufen müssen. Die 129 Jahre alte Branche wird sich drastisch verändern.