Leverkusen. Das im November europaweit eingeführte Umweltetikett verändert die Reifenbranche nachhaltig. Die Verbraucher berücksichtigen beim Reifenkauf verstärkt die Aspekte Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Umweltschutz. Das gilt vor allem in Regionen mit hohen Spritpreisen, in denen sich die Anschaffung der teureren rollwiderstandsreduzierten Reifen schneller amortisiert. Eine jüngst vorgestellte Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: 80 Prozent der befragten 2500 Autofahrer begrüßen das Label und nutzen es zur Orientierung.
Besonders vertrauen die Spanier dem EU-Label (92 Prozent), gefolgt von den Italienern (90 Prozent) und den Briten (67 Prozent). In Deutschland erklärten noch 65 Prozent der Befragten, dass sie sich am Reifenlabel orientieren. Nicht zuletzt trägt dazu auch die Werbung der Automobilhersteller bei, die gern auf den spritsparende Effekt ihrer „grünen Reifen“ verweisen. Auch die Reifenbranche selbst erwartet, dass das Umweltetikett die Industrie deutlich verändert. 85 Prozent von weltweit 70 befragten Reifenexperten aus den Reihen von 32 Reifenherstellern erklärten in einer jüngst veröffentlichten Studie, dass das Label ihr Tagesgeschäft signifikant beeinflussen wird. Die Studie erstellte das Beratungsunternehmen Stratley Portfolio im Auftrag des Spezialchemie-Unternehmens Lanxess, das auch Grundstoffe für die Reifenproduktion herstellt.Die Reifen-Revolution
Die Mehrheit der Hersteller erwartet dieser Auftragsstudie zufolge, dass die neuen Hochleistungsreifen auf Styrol-Butadien- Basis (SSBR) schon in wenigen Jahren dem klassischen Reifen auf Emulsions-Styrol-Butadien-Basis (ESBR) den Rang ablaufen werden. SSBR hilft Herstellern bei dem Problem, dass Reifen mit geringem Rollwiderstand weniger gut haften, was zu einem längeren Bremsweg führen kann. Dennoch erwartet die TU München laut einer Studie, dass „grüne Reifen“ in den Industrieländern bis 2020 einen Marktanteil von gut 50 Prozent haben werden. Ein Problem bereitet den Reifenherstellern allerdings die derzeit noch eingeschränkte Verfügbarkeit von SSBR-Elastomeren. Der Lanxess-Studie zufolge befürchten 85 Prozent der befragten Reifenmanager, dass die Versorgungssituation „etwas kritisch“ werden könnte. Dies hängt auch davon ab, wann weitere große Märkte wie die USA, China und Brasilien ein Reifenlabel einführen.