München. „Wir reden hier über machbare Science-Fiction“, sagte Herrtwich. Möglich werde das unter anderem, weil sich die Sensorik in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt hat. Sie sei „fantastisch geworden“, begeistert sich Herrtwich. Auch die Aktuatorik sei mittlereile so elektrifiziert, dass sich all diese Funktionen vom Computer steuern ließen. „Was sich für uns geändert hat, ist, dass die Nachfrage nach solchen Automatisierungsfunktionen radikal gestiegen ist“, sagte Herrtwich. Als Kunden für diese Technologie hat Daimler nicht so sehr diejenigen im Visier, die sich chauffieren lassen, sondern beispielsweise ältere Autofahrer, die solche Assistenzfunktionen als Sicherheitsnetz zu schätzen wissen. Zum anderen richtet sich das Angebot auch an die Digital Natives, die etwas Besseres zu tun hätten als zu fahren. Für diese lenke laut einer Studie nicht das Verschicken von SMS vom Fahren ab, sondern das Fahren vom Verschicken der SMS. Zumindest im Stau lässt sich dieses Problem künftig mit technischer Hilfe umgehen.
"Die Nachfrage nach Automatisierungsfunktionen im Fahrzeug ist radikal gestiegen“
Die Anfang des Jahres vorgestellte E-Klasse und die jüngst präsentierte S-Klasse von Mercedes bringen im Rahmen von Intelligent Drive erstmals autonomes Fahren in einer Stausituation mit niedrigen Geschwindigkeiten auf die Straße. Bislang sei das noch Science- Fiction gewesen, jetzt jedoch erstmals in Serie, sagte Ralf G. Herrtwich, Leiter Konzernforschung und Vorentwicklung Fahrerassistenz- und Fahrwerksysteme bei Daimler. Von der technischen Seite her ließen sich solche Funktionen auch schon bei höheren Geschwindigkeiten und bei freier Fahrt umsetzen. Mit dem sogenannten Autobahnpilot könnten beispielsweise auch Überholvorgänge bewältigt werden.