München. „Unter unseren Mitgliedern gibt es bereits die ersten Insolvenzen“, sagt Bernhard Jacobs, Geschäftsführer des Industrieverbands Blechumformung, über den Zustand seiner Branche. Und der Verbandschef sieht weitere der rund 200 überwiegend mittelständischen Firmen seines Verbands, die 75 Prozent ihres Umsatzes mit der Automobilindustrie machen, in akuter Gefahr. Die Zulieferbranche gerät in die Klemme: Die Autohersteller rufen bis zu 50 Prozent weniger Teile ab, die Banken geben kaum noch Kredite. Folge: Die automobile Lieferkette droht zu reißen. Schätzungen von Experten lassen für die Zulieferbranche, die zu rund 75 Prozent zur Wertschöpfung des Autos beiträgt, das Schlimmste befürchten.
Wolfgang Meinig, Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) in Bamberg, schätzt, dass rund zehn Prozent der circa 3000 Zulieferer im deutschsprachigen Raum die Krise nicht überstehen werden. Gefährdet sieht er vor allem solche Unternehmen, „die nicht rechtzeitig diversifiziert haben“. Auch Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft, erwartet massive Einschnitte bei den mittelständischen Lieferanten. Bis Ende 2009 könnten bei den Zulieferern und Herstellern in Deutschland bis zu 50.000 Stellen verloren gehen. Erste Vorzeichen für ein schweres Jahr 2008 gab es aber schon vor der Finanzkrise. Nach einer Studie der Wirtschaftsauskunftei D&B Deutschland landete schon im Februar 2008 jeder achte deutsche Zulieferer in der schlechtesten Ratingklasse vier und galt damit als nicht kreditwürdig. Im September war es schon jeder sechste.