Köln. Wolfgang G. Schneider, leitender Manager bei Ford of Europe für Umwelt-, Politik- und Rechtsfragen, erwartet bei der IAA nicht weniger als eine ökologische Zeitenwende.
"Die IAA wird ein Wendepunkt sein in der Agenda aller Hersteller, wie es ihn noch nicht gegeben hat", sagte Schneider im Gespräch mit der Automobilwoche. Die IAA werde sich als die "grüne" Leitmesse der Automobilbranche schlechthin etablieren. Zum ersten Mal werde sich die Automobilwirtschaft ohne Wenn und Aber
der ökologischen Herausforderung stellen und auf breiter Front praktische Konzepte für einen schonenderen Umgang mit den Ressourcen anbieten, statt über gesetzgeberischen oder öffentlichen Druck zu lamentieren, erwartet Schneider. Und er ist überzeugt: Diese neue Haltung zum Thema Ökologie wird der Branche nicht schaden, sondern im Gegenteil nutzen. "Früher war ,grün' immer noch Nische, diesmal wird es Mainstream sein."
Die 62. IAA werde in diesem Sinne ihrem Motto "Sehen, was morgen bewegt" vollauf gerecht werden, ist Schneider überzeugt. "Von dieser IAA werden neue Impulse ausgehen in Sachen Umwelt, wir werden ein Feuerwerk an neuen Ideen sehen." Den Messemachern komme dabei das neu entfachte Interesse an nachhaltiger Mobilität zugute. "Die IAA ist die erste Automobilmesse seit Bekanntwerden der strengen CO2-Vorgaben aus Brüssel. Die Branche muss sich dieser Herausforderung stellen."
Im Gegensatz zu anderen Automanagern beklagt sich Schneider nicht über die geplanten CO2-Grenzwerte der EU-Kommission. Im Gegenteil, die EU habe die ehrgeizigsten Umweltziele der Welt formuliert und der Branche damit einen entscheidenden Anstoß für Innovationen geliefert. Dies sorge langfristig für einen Wettbewerbsvorteil der Europäer. "Jetzt fängt die Nachfrage nach sparsameren und umweltfreundlicheren Fahrzeugen in Nordamerika so richtig an, und ich bin sicher, über kurz oder lang wird man das auch in Asien fordern. Dann sind die europäischen Automobilhersteller sehr gut positioniert. Sie haben dann einen echten 'first mover advantage'."
Schneider sieht drei Phasen der Entwicklung. Schon seit Langem werde an der Optimierung der konventionellen Technik im Massenmarkt gearbeitet, und dies sei auch aus ökologischer Sicht entscheidend. "Den Durchbruch bei der CO2-Belastung schaffen wir nur, wenn wir in der Masse etwas bewirken, und deshalb muss eine sinnvolle Umwelttechnologie bezahlbar bleiben." Stichworte dieser Strategie sind unter anderem Downsizing der Motoren, Gewichtsreduzierung und Reduzierung von Fahrwiderständen.
Auch Phase zwei sei inzwischen angelaufen - die stärkere Verwendung von Biokraftstoffen und der verstärkte Einsatz von Hybridantrieben. Schneider sieht dabei den Biosprit als wesentlicheren Faktor, da er auch bei kleineren Fahrzeugen kostengünstig eingeführt werden kann. "Unsere Philosophie bei Ford ist: ,Grüne' Technologie muss erschwinglich sein für den Kunden." Die Hybridtechnik dagegen sieht er bis auf Weiteres eher im Premiumbereich.