München. In den vergangenen Tagen und Wochen haben sich die Fahrzeughersteller mit Ankündigungen zum Thema Elektroauto geradezu überschlagen. Jüngstes Beispiel: Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn ließ es sich nicht nehmen, am Donnerstag in Berlin höchstpersönlich den Golf TwinDrive vorzustellen.
Das Fahrzeug mit kombiniertem Elektroantrieb und Verbrennungsmotor ist das Produkt einer Kooperation zwischen den Wolfsburgern und sechs weiteren Partnern aus der Automobilindustrie. VW sieht das Forschungsauto als Zwischenschritt auf dem Weg zum vollständig elektrisch betriebenen Fahrzeug. Der Konzernchef hatte kürzlich angekündigt, dass VW bis Ende 2008 ein reines Elektrofahrzeug als Versuchsmodell auf die Räder stellen will.
Der in Berlin vorgestellte TwinDrive verfügt über ein neuartiges elektrisches Antriebssystem und schafft nach Angaben des Autoherstellers im reinen Elektrobetrieb eine Reichweite von rund 50 Kilometern. „Die Gegenwart des Automobils ist ohne hoch effiziente Benzin- und Dieselmotoren nicht denkbar. Die Zukunft aber, das ist sicher, wird den emissionsfreien Elektromotoren gehören – betankt an der Steckdose“, ist sich Winterkorn sicher.
Doch eine Reichweite von 50 Kilometern kann nur ein erster Schritt sein. Nach Angaben des Zulieferers Bosch gelten mindestens 200, besser jedoch 300 Kilometer ohne aufzutanken als Ziel. Die Stuttgarter hatten erst vor wenigen Tagen eine Kooperation mit dem koreanischen Elektrokonzern Samsung zum Bau von Lithium-Ionen-Batterien bekannt gegeben.
Auch Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche überraschte die Branche mit der Ankündigung, 2010 nicht nur einen Elektro-Smart mit Lithium-Ionen-Batterien auf den Markt bringen zu wollen, sondern auch ein Mercedes-Modell. Zudem prüfen die Stuttgarter, „inwieweit eine unternehmenseigene Produktion von Batterien oder Elektromotoren sinnvoll sein kann“.
Ebenfalls in zwei Jahren will der PSA-Konzern (Peugeot/Citroën) erste Elektroautos zur serienreife gebracht haben. Die Franzosen setzen dabei auf eine Kooperation mit dem japanischen Fahrzeughersteller Mitsubishi.
Wettbewerber Renault plant, voraussichtlich zwei Jahre später Elektrofahrzeuge in Europa in den Handel zu bringen. Die Franzosen arbeiten dazu mit der Unternehmenstochter Nissan und dem japanischen Batterienhersteller NEC zusammen.
Derzeit bereitet Renault einen Feldversuch in Israel vor. Dort sollen schon 2011 Elektroautos auf den Markt kommen, die von Steuererleichterungen profitieren.
Zurückhaltender äußert sich der Münchner Autobauer BMW. „Wir werden noch in diesem Jahr über ein Elektrofahrzeug entscheiden“, heißt es dort kurz und knapp. Weitere Details wollen oder können die Bayern nicht preisgeben.
Der italienische Autohersteller Fiat ist einer der wenigen Vertreter der Autobranche, der nicht auf den Bau von Elektroautos setzt. Fiat favorisiert vielmehr weiterentwickelte Verbrennungsmotoren sowie mit Erdgas oder Ethanol angetriebene Autos.
Wolfgang Bernhart, Automobilexperte bei der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants, sieht bei einem steigenden Anteil von Elektrofahrzeugen auf Zulieferer-Seite vor allem eine Gefahr für die reinen Hersteller von Motorkomponenten. Deren Geschäftsmodell sei nicht nur durch die Verbreitung von Elektromotoren gefährdet, sondern auch durch den weltweiten Trend zu Downsizing-Konzepten. Es liegt auf der Hand, dass für solche kleineren Motoren mit weniger Zylindern auch weniger Kolben und andere Motorkomponenten benötigt werden.