Brüssel/Berlin. Der Abgas-Betrug von Volkswagen hat der Automobilindustrie einen Bärendienst erwiesen. Die Branche befürchtet, dass die EU-Kommission die Industrie nun gleich doppelt in die Zange nimmt: Zum einen werden die Rufe nach einer raschen Einführung eines neuen Messzyklus immer lauter, zum anderen dürften Kompromisse bei den künftigen Emissionsgrenzwerten in der Politik und der Öffentlichkeit kaum mehr auf Akzeptanz stoßen.
Der erste Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, sagte, dass die Kommission bei der Emissionsregulierung künftig "null Toleranz" üben werde. Die EU erwäge, strengere Grenzwerte durchzusetzen, als dies bislang geplant sei, deutete er an.
Die Autobranche wird sich fragen müssen, ob die Werbung mit den niedrigen Verbrauchs- und Emissionswerten, die beim noch gültige Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) erreicht werden, inzwischen nicht kontraproduktiv ist.
Der NEFZ ist bekanntlich ein reiner Laborwert und erlaubt den Einsatz hochgradig modifizierter Fahrzeuge, die so nie verkauft werden.