Kaiserslautern. Das US-Unternehmen Johnson Controls setzt seine Einkaufstour fort und hat zum Jahreswechsel den deutschen Zulieferer Keiper übernommen. Insgesamt 4750 Mitarbeiter der Keiper Recaro Group, davon 2800 in Deutschland, sind von dem Verkauf betroffen. Veräußert wurden die unter dem Namen Keiper geführten Aktivitäten sowie das Autogeschäft von Recaro aus Kirchheim/Teck. Damit hat sich die Eigentümerfamilie Putsch von Geschäften getrennt, mit denen 2010 etwa 750 Millionen Euro Umsatz erzielt wurden. Bei Keiper wird der Verkauf in einer Mitteilung damit begründet, „dass sich Keiper und Recaro Automotive unter dem Dach eines weltweit führenden Unternehmens weit besser entwickeln können als im Mittelstand“.
Bevor die Entscheidung für einen Verkauf an Johnson Controls gefällt wurde, wurden in Kaiserslautern schon seit geraumer Zeit weitere Optionen geprüft. Im Gespräch war eine Übernahme durch Magna, eine strategische Partnerschaft mit einem asiatischen Unternehmen und auch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Keiper und Recaro. Zwar steht die Zustimmung der Kartellbehörden zur Übernahme durch Johnson Controls noch aus, doch wird vonseiten des US-Zulieferers mit einem Vollzug des Verkaufs im ersten Halbjahr 2011 gerechnet. Eine Zustimmung durch die Kartellbehörden wird noch im Januar erwartet. Noch in dieser Woche werden nach Angaben von Johnson Controls „Informationsgespräche“ zwischen den Arbeitnehmervertretern sowie dem US-Unternehmen und Keiper Recaro geführt. Die Rechte am Namen Recaro behält die Putsch-Holding, Johnson Controls erhält aber eine Lizenz zur exklusiven, weltweiten Nutzung der Marke für Automobil- und Nutzfahrzeugsitze.
Nicht verkauft wurden der Hersteller von Flugsitzen Recaro Aircraft Seating, der Anbieter von Kindersitzen Recaro Child Safety sowie Recaro Home (Polstermöbel). Erst Anfang Dezember hatte Johnson Controls mit der C. Rob. Hammerstein Group (CRH) einen Spezialisten aus dem Interieurbereich zugekauft. Das Traditionsunternehmen CRH mit Sitz in Solingen stellt unter anderem Metallstrukturen und -komponenten her und erwartet für 2010 einen Umsatz von 475 Millionen Euro. Bereits Anfang Oktober hatte sich der US-Konzern im Bereich Sitzbezüge verstärkt und den französischen Zulieferer Michel Thierry mit 1800 Mitarbeitern übernommen, der auf Stoffe und Laminierungen spezialisiert ist.
Beda Bolzenius, weltweit verantwortlich für das Automobilgeschäft von Johnson Controls, sieht im Zukauf der Automobilsparte der Keiper-Recaro-Gruppe „eine weitere Stärkung unseres Geschäftsbereichs Metallkomponenten und mechanische Bauteile“. Mit der Übernahme von Keiper und CRH kann der US-Konzern den Kunden ein komplettes Komponentenportfolio im Sitzbereich anbieten. „Wir decken jetzt vom Kleinteil im Sitz wie etwa einzelnen Verstellern bis hin zum Komplettsitz das gesamte Portfolio ab“, heißt es bei Johnson Controls. Zudem könne man so der Kundenforderung besser nachkommen, dass selbst Kleinteile global beschafft werden sollen.