Köln. Der entlassene Vorstandschef des TÜV Rheinland, Friedrich Hecker, ist über mangelndes Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Mitarbeitern gestolpert. Der Aufsichtsrat des Prüfkonzerns unter seinem dominierenden Vorsitzenden Bruno O. Braun hatte den 49-Jährigen vor wenigen Tagen überraschend vor die Tür gesetzt. In einer dürren Pressemitteilung hieß es nach einer Sitzung des Aufsichtsgremiums lediglich, Hecker verlasse das Unternehmen, um sich neuen Aufgaben zu widmen. Gründe für das plötzliche Ausscheiden nannte das Unternehmen nicht. Hecker, ein ehemaliger Berater bei Roland Berger, war erst im Jahr 2009 vom Schweizer Prüfkonzern SGS nach Köln gewechselt.
Nach sieben Monaten an der Seite des langjährigen Vorstandschefs Braun hatte er das Spitzenamt dann Anfang 2010 angetreten. Seinen vierjährigen Vertrag durfte er nur zur Hälfte erfüllen. Mit der Rekrutierung Heckers wollte Aufsichtsratschef Braun die Internationalisierung des Prüfkonzerns vorantreiben und die Profitabilität steigern. Dies ist Hecker eindeutig gelungen: 2010 erzielte der TÜV Rheinland einen Rekordumsatz von 1,3 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (EBIT) kletterte um 20 Prozent auf den Rekordwert von 112 Millionen Euro und der Auslandsumsatz wuchs um fast 20 Prozent. Die Gründe für Heckers Scheitern liegen denn auch nicht im operativen Geschäft, sondern in soften Faktoren, wie intern zu hören ist.
Zuletzt lagen er und Aufsichtsratschef Braun offenbar völlig über Kreuz. Braun hatte den TÜV Rheinland e.V. ab 1993 geleitet, zuletzt bis 2009 auch als Vorstandsvorsitzender der TÜV Rheinland AG. "Ganz hat er sich vom operativen Geschäft nie losgerissen“, heißt es im Unternehmen über Braun. Und ein externer Kenner der Verhältnisse fügt hinzu: "Er sieht sich selbst als Patriarch, als graue Eminenz des TÜV.“ Hecker sei ein versierter Zahlenmensch, die Kommunikation nach innen sei aber nicht seine Stärke gewesen, räumt man im Unternehmen ein. Im Aufsichtsrat habe Hecker zwar mit steigenden Gewinnen gepunktet. Doch habe er sich dort einen denkwürdigen Satz anhören müssen: "Herr Hecker, das EBIT ist nicht alles.“ Im TÜVHochhaus am Grauen Stein in Köln versucht man, fair mit Hecker umzugehen: "Seine Entscheidungsstärke und strategischen Weichenstellungen haben den TÜV Rheinland vorangebracht. Er hat es aber verpasst, die Menschen auf seinem Weg ausreichend mitzunehmen.“ Interimsweise führen nun Finanzchef Ulrich Fietz und Personalchef Christoph Hack die Geschäfte. Ein neuer CEO soll dem Vernehmen nach bereits bis August gefunden sein.