Bad Neustadt. Deutsches Knowhow ist in China gefragt. So ist das chinesische Unternehmen Joyson Investment Holding aus Ningbo beim Elektronik- und Interieurspezialisten Preh eingestiegen. Und der insolvente Zulieferer Saargummi wird wahrscheinlich schon bald an den chinesischen Konzern Chongqing Light & Textile verkauft. China-Kenner Dirk Meyer von der Unternehmensberatung Forum China erwartet aber bei deutschen Zulieferern keine Übernahmewelle durch chinesische Konzerne. Das scheitere häufig schon „an den fehlenden Managementkapazitäten“ in China. Joyson hält künftig 74,9 Prozent an dem Zulieferer aus Bad Neustadt an der Saale. Die restlichen 25,1 Prozent halten die bisherigen Mehrheitsgesellschafter, die Deutsche Beteiligungs AG und von ihr verwaltete Fonds (DBAG-Gruppe) sowie das Preh-Management.
Die DBAG-Gruppe hatte Preh im Oktober 2003 mit dem Preh- Management in einem Management-Buy-out erworben und den Automotive-Umsatz seit damals von 169 Millionen auf 343 Millionen Euro im Jahr 2010 verdoppelt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) belief sich 2010 auf 17,8 Millionen Euro. „Wir sehen beim Umsatz weiterhin gute Wachstumschancen im zweistelligen Prozentbereich“, erklärt Michael Roesnick, Vorsitzender der Geschäftsführung von Preh. Kontinuität sieht man bei Preh vor allem dadurch gewährleistet, dass die Geschäftsführung die Aktivitäten von Joyson und Preh in der Automobilelektronik von Bad Neustadt aus führen und weiter ausbauen wird.
„Wir suchen 2011 vorwiegend im Bereich F&E über 50 Mitarbeiter für unseren Standort in Bad Neustadt“, so Roesnick. Zudem soll im Juli in Mexiko ein zweites Werk in Betrieb genommen und im September in Ningbo eine weitere Produktionsstätte fertiggestellt werden. Dabei dürfte auch eine angekündigte Kapitalerhöhung bei Preh, dessen größte Kunden BMW und der VW-Konzern sind, helfen. „Die Eigenkapitalquote steigt von über zehn Prozent auf mehr als 40 Prozent“, erklärt Roesnick. Preh und Joyson Automotive hatten bereits im August 2010 ein Joint Venture für den chinesischen Markt gestartet.
„Dabei haben wir die Gradlinigkeit von Joyson- Eigner Jeff Wang schätzen gelernt“, so Roesnick, der die Zustimmung der chinesischen Behörden im Falle der Joyson-Beteiligung noch im ersten Halbjahr erwartet. Preh beschäftigt weltweit 2500 Mitarbeiter. Zum Portfolio gehören Klima- und Fahrerbediensysteme, Sensoren, Steuergeräte und Montageanlagen. Joyson Automotive ist Teil der Joyson-Gruppe, die neben der Autoteilefertigung auch über eine Immobiliensparte verfügt. 2010 hat die Gruppe mit 1800 Mitarbeitern knapp 200 Millionen Euro umgesetzt. Davon entfielen 125 Millionen Euro auf die Autosparte.