München. An den Namen Tedrive wird man sich in der Automobilindustrie erst noch gewöhnen müssen. Seit Anfang Mai firmieren drei ehemalige Chassis-Werke von Visteon unter diesem Begriff. Der US-Zulieferer zählt den Bereich Chassis nicht mehr zu seinem Kerngeschäft und hat seine US-Standorte an den ehemaligen Mutterkonzern Ford zurückgegeben.
Zu Tedrive gehören die Werke in Düren und Wülfrath (beide NRW) sowie Praszka (Polen). Im Herbst erfolgt die Integration eines Standorts im brasilianischen Săo Paulo. Langfristig sind auch Werke in asiatischen Ländern eine Option. Eigentümer des Spezialisten für Antriebswellen, Differenziale und Lenkgetriebe ist der Finanzinvestor SSVP II, der von Orlando Management in München beraten wird.
Vom Sitz der Tedrive Holding im niederländischen Heerlen leitet Geschäftsführer Tom Schultz die Geschicke des Zulieferers, der rund 2400 Mitarbeiter beschäftigt und im Jahr 2006 einen Umsatz von 480 Millionen Euro erzielte. Derzeit erwirtschaftet der Zulieferer fast 75 Prozent des Umsatzes mit der Ford-Gruppe. Zwar gehören jetzt schon BMW und Smart zu den Kunden, doch Schultz möchte "gerne mit deutschen Autoherstellern mehr Geschäfte machen". Dadurch will er in den kommenden Jahren die Abhängigkeit von Ford of Europe verringern. Zudem plant er, künftig auch Antriebswellen für schwere Limousinen und Geländewagen sowie für Nutzfahrzeuge anzubieten. Mit der Übernahme durch den Investor stehen Tedrive wieder ausreichend Mittel für die Entwicklung zur Verfügung. "Das war in der Vergangenheit nicht immer so", räumt der Unternehmenschef von Tedrive ein.