Rüsselsheim. Kaum hat Opels neuer Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke seinen Posten angetreten, steht er auch schon vor einer schwierigen Herausforderung. Die Beschäftigten im Bochumer Werk setzen auf ihn im Ringen um den eigentlich längst beschlossenen Abbau von 1200 Arbeitsplätzen in diesem Jahr. Der Betriebsrat will mit einer Arbeitszeitverkürzung von 35 auf 30 Stunden möglichst viele Stellen retten. Dabei würden die Beschäftigten die Hälfte des Lohnverlusts tragen – sie bekämen 32,5 Stunden vergütet.
Auf diese Weise könnten rund 500 bis 700 Stellen erhalten bleiben, rechnet Bochums Betriebsratschef Rainer Einenkel vor. Zusätzliche Entlastung sollen ein neues Altersteilzeitprogramm und Bemühungen um Insourcing bringen. Ganz ohne Stellenabbau werde man aber nicht davonkommen. „Es wird sicher einen gewissen Personalabbau geben. Wir leben hier ja nicht unter einer Käseglocke“, sagte Einenkel im Gespräch mit der Automobilwoche. Durch eine Arbeitszeitverkürzung gewinne das Werk aber Zeit. Die große Hoffnung der Belegschaft ist nämlich der neue Zafira, der am 26. September im Bochumer Werk startet. „Das ist ein sehr wichtiger Anlauf für uns“, so Einenkel. „Da braucht es eine eingespielte Mannschaft, die man nicht auseinanderreißen sollte.“
Derzeit baut Opel in Bochum noch den auslaufenden Astra Caravan, der bereits vom Astra Sports Tourer abgelöst wurde. Außerdem werden noch die alten Versionen des fünftürigen Astra und des Zafira in Bochum gefertigt. Weil die Nachfrage nach diesen Modellen im Sinkflug ist, wurden bereits im März drei Kurzarbeitstage gefahren, im Mai kommen weitere sechs Tage hinzu. Der Abbau von 1800 Stellen in Bochum war bereits im vergangenen Sommer vom Management und vom Betriebsrat in einem „Master Agreement“ vereinbart worden. 600 Stellen wurden bereits 2010 gestrichen. Allerdings hatte sich das Management damals auch verpflichtet, „alle Möglichkeiten zu prüfen“, um den Abbau so gering wie möglich zu halten. Auf diesen Punkt beharren nun die Arbeitnehmervertreter.
„Im Januar hatte uns die Opel- Führung noch bestätigt, dass sie bereit sei, über eine Reduzierung des geplanten Stellenabbaus zu reden. Davon will sie jetzt nichts mehr wissen“, sagt Einenkel. Mitte März waren Verhandlungen mit der Geschäftsleitung über den Stellenabbau vom Management abgebrochen worden. Deshalb wurde eine in solchen Fällen gesetzlich vorgesehene Einigungsstelle eingesetzt, in der ein vorsitzender Arbeitsrichter den Ausschlag gibt. Für den 3. Mai ist die dritte Sitzung anberaumt.
Die Opel-Führung will sich dabei den vereinbarten Personalabbau nicht wieder nehmen lassen. „Eine 30-Stunden-Woche stellt keine sinnvolle Alternative dar, da damit die Fixkosten langfristig zu hoch bleiben“, erklärt ein Unternehmenssprecher. Das Management habe Vorschläge vorgelegt, um den Abbau so sozialverträglich wie möglich zu machen. Dazu gehören Abfindungspakete und die Möglichkeit, ins ausgelastete Rüsselsheimer Werk zu wechseln.
Die Bochumer Opelaner setzen dagegen auf den neuen Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke. „Das ist seine Chance für einen Neuanfang mit den Beschäftigten“, hofft Betriebsratschef Einenkel. „Er könnte unbelastet an die Verhandlungen herangehen und Fehler aus der Vergangenheit korrigieren“, sagt der Arbeitnehmervertreter weiter. Illusionen macht sich Einenkel aber nicht: „Stracke wird sich hüten, sich einseitig für den Standort Bochum ins Zeug zu legen. Das würde man in Rüsselsheim, Erfurt oder Saragossa gar nicht gut finden.“