München. Für Ärger unter Zulieferern und Arbeitnehmervertretern hat eine Äußerung des BMW-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Manfred Schoch gesorgt. Nach Medienberichten will Schoch die Zulieferer des Münchner Fahrzeugherstellers stärker unter Druck setzen. Die Beziehungen zu den Lieferanten müssten "neu definiert werden", so Schoch. Und weiter: "Uns ist aufgefallen, dass viele Zulieferer, wie etwa Conti, Bosch, Magna oder ElringKlinger, bessere Renditen einfahren als wir." BMW hatte im ersten Halbjahr 2007 eine operative Umsatzrendite von lediglich 5,5 Prozent erreicht.
Das ist BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer zu wenig. Der Konzernchef will bis 2012 insgesamt sechs Milliarden Euro einsparen, um die schwächelnden Renditen des Konzerns zu steigern. Im Jahr 2012 will der BMW-Chef dann eine Umsatzrendite von acht bis zehn Prozent erreichen. Analysten gehen davon aus, dass ein großer Teil der angekündigten Kosteneinsparungen über die Materialbeschaffung erwirtschaftet werden soll.
"Es ist aus meiner Sicht bedenklich, wenn jemand, der aus dem Gewerkschaftslager kommt, hier Zulieferer an den Pranger stellt, die einen hinreichenden Ertrag erwirtschaften. Mit solchen Äußerungen wird nur eine unnötige Konkurrenzsituation unter den Belegschaften geschürt", kritisiert Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender von ElringKlinger, die Äußerungen von Schoch.
Noch härter gehen die Gewerkschafter der IG Metall Reutlingen/Tübingen mit Schoch ins Gericht. In einem Brief an den Gesamtbetriebsratschef nehmen sie "mit Verwunderung und Bestürzung" zur Kenntnis, dass nach Auffassung von Gesamtbetriebsratschef Manfred Schoch die Zulieferer stärker unter Druck gesetzt werden müssten.
"Wir halten dies für unglaublich", empören sich die Gewerkschafter Gert Bauer, erster Bevollmächtigter der IG Metall Reutlingen/Tübingen, Manfred Rupp, Betriebsratsvorsitzender von ElringKlinger, und Daniel Müller, Betriebsratsvorsitzender von Bosch in Reutlingen.
"Die Automotive-Zulieferer - und das sind in unserer Verwaltungsstelle eine ganze Menge - stehen heute schon unter einem enormen Druck und Diktat der Automobilhersteller", heißt es in dem Schreiben weiter. "Wenn sie es dann schaffen, trotzdem Gewinne einzufahren, tun sie dies dank ihrer Innovationskraft und der guten Arbeit der Beschäftigten in den Betrieben."
Der BMW-Betriebsratschef fühlt sich jedoch falsch interpretiert. Ihm sei es bei seinen Äußerungen darum gegangen, dass die Zusammenarbeit zwischen Zulieferern und Hersteller entlang der Wertschöpfungskette künftig noch besser und effektiver gestaltet werden müsse. "Von einem Druck auf die Zulieferer war von meiner Seite nicht die Rede."
Marcus Berret, Automobilspezialist bei der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants, führt die positive Entwicklung einiger Lieferanten darauf zurück, "dass sie konsequenter als ihre Kunden die Kosten reduziert und das eingesetzte Kapital optimiert haben".