BMW-Chef Norbert Reithofer will, dass der Konzern endlich die Rendite erzielt, die man von einem Premium-Autohersteller erwarten darf. Und die Zulieferer sollen ihren Teil dazu beitragen. Schließlich fährt BMW eine schlechtere Rendite ein als viele der Lieferanten. Das nervt die Münchner gewaltig. Jahrelang gehörte BMW zu den Lieblingen der Zulieferbranche. In entsprechenden Rankings gab es Bestnoten. Jetzt wollen die Bayern eine Gegenleistung für den Schmusekurs der Vergangenheit. In der Kuschelecke fühlt sich der Autohersteller nicht mehr wohl.
Dabei hat der pflegliche Umgang mit den Lieferanten BMW handfeste Vorteile gebracht. Schließlich bekam der Premiumhersteller von der Zulieferindustrie auch Premiumleistung. Bei vielen Innovationen hat der Autohersteller von den Forschungs- und Entwicklungserfolgen der Lieferanten profitiert und war der bevorzugte Partner, wenn es darum ging, eine Neuerung als Erster in die Serie zu bringen. Zudem gab es für gutes Geld auch gute Qualität. Doch nun ist BMW auf dem besten Wege, viel Kredit bei seinen Lieferanten zu verspielen. Sollte sich der Eindruck verfestigen, dass die Bayern einen Wandel vom technik- zum kennzahlenorientierten Unternehmen vollziehen, könnte der Schuss nach hinten losgehen. Anstatt die guten Beziehungen zu den Lieferanten zu festigen und an der ein oder anderen Stelle zu verbessern, ziehen die Münchner die Daumenschrauben an.
Bei allem Renditestreben sollte das Management von BMW eines jedoch nicht vergessen: Am besten verdient haben in den vergangenen Jahren die Autobauer, die auch einen fairen Umgang mit ihren Lieferanten pflegten, oder, wie es der Bosch-Geschäftsführer Bernd Bohr einmal formuliert hat: Jeder Kunde bekommt letztlich das, was er verdient.