"Können Sie sich als Frau überhaupt durchsetzen?“, wurde Birgit Behrendt gefragt, als sie 1978 bei der Ford-Werke GmbH in Köln zum Bewerbungsgespräch erschien. Diese Frage wurde der heutigen Topmanagerin seitdem nie mehr gestellt. "Wenn Sie sich mit ihr anlegen wollen, nehmen Sie besser einen Helm mit“, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter ehrfürchtig und gleichzeitig voller Hochachtung. Ihr Durchsetzungsvermögen und großes Talent haben die blonde Kölnerin mit dem markanten Pagenschnitt ganz nach oben befördert. Behrendt arbeitete sich von der kaufmännischen Angestellten zur mächtigsten Frau im Ford- Konzern hoch. Seit Juli 2010 verantwortet die 51-Jährige den Einkauf von Ford in Nord- und Südamerika und wacht damit über ein Volumen von gut 35 Milliarden Dollar.
Zuvor war sie lange Zeit Einkaufschefin in Europa. In dieser Funktion trug sie wesentlich zur Verbesserung des Verhältnisses zu den Zulieferern bei. Behrendt arbeitete schon früh an den inzwischen zum Leitmotiv des Konzerns gewordenen Konzepten der strategischen Lieferanten und der globalen Einkaufsstrategie mit. Dazu war sie 1998 für einige Jahre in die Ford-Zentrale nach Dearborn gekommen. Keine Sekunde zögert Behrendt, wenn es um eine Antwort auf die Quotenfrage geht: Das sei der falsche Weg. "Ich wünsche mir, dass Frauen deutlicher sagen, welche Position sie anstreben. Bescheidenheit ist keine Zier“, rät sie. Und fügt hinzu, warum sie überhaupt für "Fraueninterviews“ zur Verfügung steht: "Ich hoffe, dass mein Beispiel ein Ansporn für Frauen ist, dass das Geschlecht kein Kriterium ist, um Karriere zu machen.“
Behrendt erhielt mehrere Preise, unter anderem 2010 den "Mestemacher Preis Managerin des Jahres“. Bereits 2008 war sie von Automotive News Europe zur "Frau des Jahres“ gekürt worden. Behrendt liest gern Krimis und joggt so oft es geht. Der Preis einer solchen Karriere war ihr stets bewusst: Die verheiratete Topmanagerin hat keine Kinder.