Nürtingen. Hyundai sucht angesichts der fortschreitenden Digitalisierung neue Wege, um seine Autos an die Kunden zu bringen. Das Konzept Rockar, das ein Händler in Großbritannien seit gut einem Jahr testet, könnte für die Koreaner dabei eine Schlüsselrolle spielen. Über den Internetshop, der auch einen physischen Ableger in einem Einkaufszentrum bei London hat, wurden bereits 1000 Autos verkauft. Alle anderen 160 britischen Hyundai-Händler zusammen verkauften im gleichen Zeitraum 82.000 Autos.
"Es handelt sich um eine völlig andere Art, den Kunden anzusprechen", sagte Jochen Sengpiehl, Vizepräsident von Hyundai Europa, beim Tag der Automobilwirtschaft in Nürtingen. Per Mausklick lassen sich über Rockar Autos je nach finanziellem Budget konfigurieren und direkt kaufen. Im stationären Shop selbst sind nur wenige Autos ausgestellt. Statt Autoverkäufern beraten sogenannte Rockar-Engel die Kunden. Sie sind meist keine gelernten Autoverkäufer und bekommen keine Provision. Denn sie sollen beraten statt zu verkaufen und möglichst keinen Druck auf die Kunden ausüben.
Sengpiehl sieht Rockar als Beispiel dafür, wie sich der Handel gegen die Angriffe aus der digitalen Welt, etwa durch Internetportale, wehren kann. Es gehe darum, den Kunden von der ersten Berührung mit der Marke bis zum Kauf nicht mehr aus den Augen zu lassen. "Die Lernkurve bei Rockar ist extrem steil", so Sengpiehl.
Das traditionelle Autohaus ist unter Druck. Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft (IFA) rechnet damit, dass in fünf Jahren in Deutschland von 7500 selbstständigen Unternehmen nur etwa 4000 übrig sein werden. Hauptproblem sei der weitgehend gesättigte Neuwagenmarkt. Aber auch die großen Internetportale machen dem stationären Handel zu schaffen. "Jeden Monat kommt irgendein neues Online-Angebot, das in unsere Wertschöpfung eingreift", beklagt Andreas Senger, Chef der Düsseldorfer Senger-Gruppe.