München. Durch die rasante Verbreitung immer leistungsfähigerer Mobiltelefone haben kleine Programme für Mobiltelefone Hochkonjunktur. Mit großem Abstand führend sind dabei Mini- Anwendungen (Englisch "Application“, abgekürzt "App“) für das iPhone von Apple. Apps können ganz auf die Bedürfnisse des Auftraggebers zugeschnitten werden – ein Fest für die Werbebranche. Auch die Automobilhersteller testen inzwischen den neuen Kommunikationsweg. Noch überwiegen bei ihnen die reinen Unterhaltungsangebote. Vor allem mit Rennspielen wollen die Hersteller die junge Zielgruppe für ihre Marke sensibilisieren. Auch Info-Anwendungen für die Formel 1 oder die DTM sind beliebt. Mit der simplen Übertragung von Internet-Inhalten auf das Handy ist es aber nicht getan.
Banale Werbebilder-Shows, wie sie etwa Porsche mit dem App "Porsche Panamera – das mobile Erlebnis“ anbietet, fallen bei den verwöhnten Internet-Nutzern glatt durch. Manchmal schießen die Werber mit ihren Gratis-Apps sogar ein Eigentor. Denn die Generation Internet lässt sich nicht mit billig produziertem Pixelbrei abspeisen. Das Angebot auf dem Monitor von iPhone & Co. muss bei dieser Zielgruppe cool wirken und für Wow-Effekte sorgen, sonst kehrt sich der Werbeeffekt ins Gegenteil. Ein Unterhaltungsgimmick landet dann noch schneller im virtuellen Papierkorb als dies ohnehin schon oft geschieht. Nachhaltiger dürfte der Ansatz sein, nützliche Informationen ansprechend zu verpacken und Kundenkontakte zum Handel zu schaffen. Honda macht dies beispielhaft mit einem "iShowroom“ genannten App vor – bislang aber nur für den australischen Markt. Das Programm zeigt das gesamte Honda-Programm für den fünften Kontinent und findet dank eingebautem GPS ruck, zuck den nächstgelegenen Honda-Händler.
Bei Mercedes hält man die bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Kanal für ermutigend. "iPhone-Apps sind für uns ein Kanal, um die Zielgruppe über eine neue Form der Kommunikation mit der Marke oder mit bestimmten Produkten anzusprechen“, ist aus der Abteilung Markenkommunikation zu erfahren. Mercedes konzentrierte sich bislang auf das iPhone und bedient seit Kurzem auch das iPad. Ob auch andere Smartphones ins Visier der Stuttgarter Marketingstrategen kommen, ist offen. "Wir beobachten den Markt mobiler Endgeräte und werden gegebenenfalls unsere Aktivitäten auf andere Endgeräte ausweiten.“ Wohin die Reise gehen könnte, zeigt der US-Softwareentwickler Zocalo Labs. Er entwickelte für Autohäuser die Anwendung "Dealerapp“, über die der Nutzer unter anderem mit allen Abteilungen eines Autohauses telefonieren und mailen, Ersatzteile bestellen und Servicetermine buchen kann. Mehrere große US-Händler nutzen dies bereits. Wer im Apple-Store nach dem Stichwort "Autohandel“ sucht, findet bislang nur einen Eintrag: RTL preist dort seine Dokusoap "Die Autohändler“ an.