München. Rund ein halbes Jahr nach dem Gang zum Insolvenzgericht ist der Zulieferer Stankiewicz durch den US-Konkurrenten IAC übernommen worden. Etwa 850 der zuletzt 970 Arbeitsplätze des Akustikspezialisten bleiben in Deutschland erhalten, so Insolvenzverwalter Christopher Seagon. Doch es werde immer schwieriger, einen Wettbewerber zu finden, der ein in finanzielle Schieflage geratenes Unternehmen übernehmen will, stellt Seagon fest. Der Grund: Die Konkurrenten des strauchelnden Zulieferers sind wegen der angespannten Absatzlage in der Autoindustrie häufig froh, wenn ein Wettbewerber vom Markt verschwindet.
So besteht die Chance, an dessen Aufträge zu gelangen, ohne sich zusätzliche Kapazitäten aufzuladen. Seagon bedauert, dass das Thema Insolvenz in Deutschland in der öffentlichen Wahrnehmung "immer noch mit Argusaugen“ betrachtet wird. "Hier fehlt das USamerikanische Verständnis, die Insolvenz als einen Akt der Selbstbefreiung zu verstehen, der neue Chancen bieten kann.“ Ein Grund für das schlechte Image der Insolvenz sieht er darin, dass Geschäftsführer oder Gesellschafter betroffener Unternehmen häufig den Eindruck haben, "von heute auf morgen in die zweite oder dritte Reihe abgeschoben zu werden. Wenn keine Zahlung mehr vorgenommen werden darf, ohne dass sie vom Verwalter genehmigt wurde, wird das natürlich als Einschränkung empfunden.“ Dabei ist der Insolvenzverwalter in der Regel auf das Know-how der bisherigen Unternehmensführung angewiesen. Seagon plädiert für ein Miteinander, auch wenn es natürlich gilt, klare Spielregeln einzuhalten, weil der Verwalter eine Schutzfunktion zu erfüllen hat. So müssen Gläubigerinteressen geschützt und sichergestellt werden, dass alles nach den gesetzlichen Vorgaben abläuft.