München. Die aktuellen Produktionsdrosselungen der Fahrzeughersteller sorgen für tiefe Sorgenfalten bei den Managern in der Zulieferindustrie. Beim Automotive- Netzwerk Südwestfalen etwa heißt es, dass sich bei mehr als zwei Dritteln der Zulieferer die Auftragslage seit dem Sommer verschlechtert hat. „Bei 20 Prozent sogar besonders gravierend.“ Eingebrochen sind vor allem die Erwartungen für das Jahr 2009. Mehr als 60 Prozent der Netzwerk-Mitglieder gehen von einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage aus. Kleiner Hoffnungsschimmer: Der Zugang der überwiegend mittelständischen Unternehmen zu den Kapitalmärkten hat sich nach Ansicht der Netzwerkmitglieder nicht verschlechtert.
Arndt G. Kirchhoff, Chef des Metallspezialisten Kirchhoff Automotive, rechnet damit, „dass es lange Weihnachtspausen in der Autoindustrie geben wird, weil es da am einfachsten ist, die Werke abzustellen“. So manches Unternehmen wird die Krise wohl auch nicht überleben. Wolfgang Meinig, Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft in Bamberg, erwartet jedenfalls „aufgrund der derzeitigen Lage weitere Firmenübernahmen in der Zulieferindustrie“. „In der Bilanz der ersten neun Monate hat die Finanzkrise bei uns keine Spuren hinterlassen. Es ist aber zu erwarten, dass die Kunden Investitionen nun zweimal nachrechnen“, erwartet Vorstandschef Ralf Dieter vom Anlagenbauer Dürr. Dennoch zeigt er sich überzeugt, dass die Automobilindustrie an den strategischen Investitionen gerade in Schwellenländern festhält.
So sollen in den nächsten vier Jahren weltweit 82 sogenannte Paint Shops gebaut werden. „Wenn es am Ende nur 60 sind, steht Dürr immer noch gut da“, glaubt Dieter. Vorsichtig optimistisch äußert sich Ralf Laufenberg, Vorsitzender der Geschäftsführung des Entwicklungsdienstleisters RLE International: „Wir erwarten bei unseren Geschäften keine gravierenden Einbrüche in diesem Jahr. „Denn die Entwicklungsnotwendigkeiten sind ja da.“ Er ist zuversichtlich, dass CO2-getriebene Entwicklungen der Kunden nicht gestrichen werden. Hoffnungsvolle Ansätze Optimistisch äußern sich gar die Partnerbetriebe des steirischen Autoclusters ACstyria: Nach einer Erhebung des Clusters sehen 70 Prozent der Mitglieder die Entwicklung in den nächsten beiden Jahren gut bis sehr gut. Wie schwer eine Prognose ist, macht Firmenchef Kirchhoff deutlich: „Wir haben so eine Situation alle noch nicht erlebt. Deshalb kann man sich auch schlecht die Auswirkungen vorstellen.“