Die Einladung kam gut an: Der Kartendienst Here, der bald im Besitz von BMW, Daimler und Audi sein wird, hatte die Autobranche kürzlich zu gemeinsamen Beratungen ermuntert. Die Antwort folgte prompt. 16 Unternehmen haben sich jetzt in Berlin getroffen, um über ein Format für den Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen zu sprechen. Es geht um nichts weniger als eine der Schlüsseltechnologien für das „Automobil 2.0“. Die Harmonie untereinander überrascht. Dass sich die sonst stets kampfbereiten Konkurrenten dazu durchringen können, bei diesem Zukunftsthema zu kollaborieren, ist schon fast revolutionär zu nennen. Es ist eine Allianz der Vernunft.
Es wäre auch ein Stück verschenkte Zukunft, wenn Hersteller und Zulieferer nur jeweils an eigenen Systemen werkeln würden. Eine Zusammenarbeit hat den großen Vorteil, dass sie Standards setzt. Vor allem profitiert der Autofahrer von einem übergreifenden Format. Es muss ein gemeinsames Interesse bestehen, sehr gute Karten in den Autos zu haben, die miteinander kommunizieren können. Autos tauschen in Zukunft Informationen über Gefahren im Straßenverkehr aus, über Staus oder über Parkmöglichkeiten.
Die Allianz ist natürlich auch dem Eigeninteresse der Autohersteller geschuldet. Denn die wahren Wettbewerber im Wettstreit um das vernetzte Auto sitzen im Silicon Valley: Google und Apple. Sie greifen nach der Systemführerschaft im Fahrzeug. Sie haben das Wissen, das Geld und den Willen, in der Mobilitätswirtschaft eine gewichtige Rolle zu spielen – und da gehört das Auto dazu. Eine Verteidigung gegen Google und Apple geht nur gemeinsam. Ein gutes Zeichen ist, dass neben Herstellern auch Zulieferer dabei sind. Die Strategie muss lauten: Lasst uns zusammen eine Art soziales System für das vernetzte Auto erschaffen, mit dem wir gegen geschlossene Systeme wie die der Monopolisten Google und Apple antreten. Das ist Silicon Valley auf Deutsch.