München. Der neue Toyota-Chef Akio Toyoda erwartet für den weltgrößten Autobauer zwei weitere schwierige Jahre. Toyota stehe "mitten im Sturm“, sagte er in der vergangenen Woche anlässlich seiner offiziellen Amtseinführung. Im Ende März endenden Geschäftsjahr hatte der Konzern zum ersten Mal seit Jahrzehnten einen Verlust eingefahren, ein Minus von umgerechnet 3,3 Milliarden Euro. Branchenexperten und Analysten sehen Toyota dennoch gut aufgestellt. Dank seiner enormen Finanzreserven, aber auch aufgrund der hoch effizienten Methoden des Toyota-Produktionssystems trauen sie dem Branchenprimus zu, als einer der Gewinner aus der Krise hervorzugehen. "Toyota hat noch jede Menge Reserven, um notfalls auch mehrere Jahre der Rezession zu überstehen“, sagte Jeffrey Liker, Toyota- Kenner und Wirtschaftsprofessor an der University of Michigan, im Gespräch mit der Automobilwoche.
Zudem habe Toyota noch immer die höchste Kundenloyalität der Branche. Die Probleme von Toyota rühren auch daher, dass die Marke in den vergangenen Jahren vor allem auf den US-Markt und dort im Light-Truck-Segment gewachsen ist. Genau dieser Markt ist aber besonders stark eingebrochen. "Toyota nutzt diese schwierige Zeit intelligenter als andere und bildet seine Mitarbeiter zielstrebig weiter, statt erfahrene Leute zu entlassen und Zukunftsprojekte zu stoppen“, lobt Liker den Hersteller. Gerade in der Krise erweise sich nun das bekannte Toyota Production System (TPS) als wichtiger Baustein. TPS erlaube es Toyota in seinen japanischen Werken, auf einer einzigen Linie bis zu acht verschiedene Modelle zu produzieren.
Dabei könne die Produktion jederzeit verlangsamt oder beschleunigt werden, ohne dass die Produktionseffizienz darunter leide, sagt Liker. Diese extreme Flexibilität habe Toyota im Ausland zwar noch nicht erreicht, doch bemühe sich der Hersteller jetzt in der Krise genau darum. "Wenn die Krise vorüber ist, wird Toyota also noch ,leaner‘ und flexibler sein als heute“, prophezeit Liker. Die Rivalen des japanischen Giganten würden gut daran tun, weiter von Toyota zu lernen, rät Liker. Toyota vertrete zwar konsequent das Wettbewerbsprinzip, habe aber schon häufig anderen Herstellern geholfen, besser zu werden. "Doch wesentliche Zukunftstechnologien wie alternative Antriebe sind davon ausgenommen, das bleibt im Konzern“, fügt Liker hinzu. Gerade auf diesen Feldern sei noch viel von Toyota zu erwarten.