Wuppertal. Der US-Zulieferer Delphi ist groß geworden mit Autoradios. Jetzt arbeitet der Konzern daran, genau diese Endgeräte überflüssig zu machen. Die Bedrohung und zugleich Chance für die Anbieter von Car-Entertainment liegt nämlich im Internet. Um das Web ins Auto zu holen, setzt Delphi inzwischen vor allem auf die Einbindung von Consumer-Endgeräten, insbesondere Smartphones, sowie auf hybride Lösungen. Angekoppelte Smartphones und Tablets dürften dabei die größte Zukunft im Auto haben. 2012 werden weltweit voraussichtlich schon 60 Prozent aller Mobiltelefone ein Smartphone sein. Der Einzug dieser Geräte ins Auto ist allerdings mit Gefahren verbunden: Nach Expertenschätzungen werden 76 Prozent aller Auffahrunfälle durch abgelenkte Fahrer verursacht. Eine einfache, intuitive Bedienung der Gerätefunktionen ist daher im Auto Grundvoraussetzung und in vielen Ländern auch bereits vorgeschrieben.
Adieu altes Autoradio
Delphi antwortet darauf mit einer Gerätearchitektur, die Smartphones via Bluetooth oder WiFi mit der Auto-IT verbindet. Die Anzeigegeräte im Fahrzeug stellen dabei aber nicht alle Funktionen des Smartphones dar, sondern nur solche, die dafür geeignet sind. Auf diese Weise gelingt auch das Kunststück, mit dem rasenden Entwicklungstempo in der Consumer- Electronic Schritt zu halten. Neue Endgeräte können meist per Software-Update eingebunden werden. Genutzt werden können die angeschlossenen Smartphones etwa, um Sprachbefehle entgegenzunehmen, regelmäßige Wartungsberichte über das eigene Auto zu erhalten, Parkplätze zu suchen oder gestreamte Internet-Videos anzuschauen.
Um die Kosten des Systems zu senken, setzt Delphi auf eine Modulstrategie, vom Hersteller Connectivity Navigation Radio (CNR)- Plattform genannt. Das Prinzip: Schon im Basis-Modul stecken alle Funktionen, spätere Upgrades – etwa auf Navigations-Anwendungen – können dann einfach durch Eingabe eines (kostenpflichtigen) Codes freigeschaltet werden. Zum ersten Mal im Serieneinsatz ist diese Plattform in den Audi- Modellen A1, A6 und A7 Sportback. „Die offene, gut strukturierte Software-Architektur ermöglicht uns für jede Modellreihe maßgeschneiderte Infotainment-Plattformen allein durch Software-Upgrades“, sagt Peter Steiner, Leiter Infotainment bei Audi. „Insgesamt bieten wir auf einer Plattform mehr als 20 verschiedene Infotainment-Lösungen an, etwa mit Navigation oder sehr hochwertigen Audiokomponenten.“