OSNABRÜCK. Rund zweieinhalb Jahre ist es nun her, dass das Amtsgericht Osnabrück das Insolvenzverfahren über die Wilhelm Karmann GmbH eröffnet hat. Ein trauriges Ereignis in der langjährigen Geschichte des niedersächsischen Auftragsfertigers. Das im Jahr 1901 gegründete Familienunternehmen hatte zunächst mit dem Bau von Pferdekutschen begonnen. Doch bereits ein Jahr später stellte Karmann die erste Fahrzeugkarosserie im Auftrag der Bielefelder Dürkopp-Werke her. Den Durchbruch schafften die Niedersachsen nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem mit dem Modell Karmann Ghia. Das Coupé auf Basis des VW Käfer wurde zum Erfolgsmodell des Osnabrücker Auftragsfertigers und Automobilzulieferers und lief zwischen 1955 und 1974 über 360.000-mal vom Band. Zu den Käufern gehörte unter anderem die Schauspielerin Romy Schneider. Das meistverkaufte Karmann-Modell war mit 504.153 Einheiten allerdings der zwischen 1974 und 1981 gebaute VW Scirocco I.
Doch diese glorreichen Zeiten sind vorbei. Die Probleme bei Karmann begannen Mitte des vergangenen Jahrzehnts. Für den Cabriospezialisten wurde es immer schwieriger, an Aufträge der Fahrzeughersteller zu gelangen. Etliche Autobauer holten Teile ihrer Produktion in die eigenen Fabriken zurück, um diese besser auszulasten. Hinzu kamen Streitigkeiten mit dem Sportwagenbauer Porsche. Karmann hatte den Stuttgartern vorgeworfen, Details des Modells Boxster bei den Osnabrückern abgekupfert zu haben. Nachdem schon 2006 einige Hundert Mitarbeiter entlassenn worden waren, verkündete die Geschäftsführung im Oktober 2007, dass 1770 der weltweit 7000 Stellen abgebaut werden müssen. Für das Jahr 2009 kündigte das Unternehmen die Aufgabe der Fahrzeugfertigung an. Doch der Strategiewechsel, sich künftig nur noch auf Dachsysteme und die Fahrzeugentwicklung zu konzentrieren, kam wohl zu spät und konnte die Insolvenz nicht mehr verhindern. Im Juni 2009 lief mit einem Mercedes-Benz CLK das letzte Auto vom Band. Vor gut einem Jahr brachte der Insolvenzverwalter Ottmar Hermann auch den Verkauf der Karmann-Dachsparte zum Abschluss.Die europäische Verdecksparte mit den beiden Werken in Osnabrück und im polnischen Zary ging an das finnische Unternehmen Valmet Automotive. Zuvor war bereits der japanische Karmann- Standort vom kanadischen Magna-Konzern übernommen worden. Die Werke in Mexiko und den USA hatte Webasto-Edscha gekauft. Dennoch: Der Standort Osnabrück lebt. 2011 hat auf dem Firmengelände von Karmann eine Tochtergesellschaft von Volkwagen eine Fahrzeugproduktion aufgenommen. Die Wolfsburger wollen dort die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter stärken. Bis 2014 sollen in Osnabrück mehr als 1000 Arbeitsplätze entstehen. Und am 17. Juni 2011 wurde am Karmann-Stammsitz mit der Serienfertigung des neuen Golf Cabriolet begonnen. Damit wurde eine alte Tradition wieder aufgenommen. Denn zwischen den Jahren 1978 und 2001 hatte der Auftragsfertiger für Volkswagen bereits mehrere Varianten des Golf Cabriolet gebaut – insgesamt 600.585 Fahrzeuge.Abgang eines Traditionsunternehmens
Rund zweieinhalb Jahre ist es nun her, dass das Amtsgericht Osnabrück das Insolvenzverfahren über die Wilhelm Karmann GmbH eröffnet hat. Ein trauriges Ereignis in der langjährigen Geschichte des niedersächsischen Auftragsfertigers.