Stuttgart. Zulieferer Mahle hat im Geschäftsjahr 2011 den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 14,1 Prozent auf sechs Milliarden Euro gesteigert und damit den höchsten Wert der Unternehmensgeschichte erreicht. Bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte hätte das Wachstum bei 13,2 Prozent gelegen. Rund 50 des Umsatzes wurden in Europa erwirtschaftet, 30 Prozent entfallen auf Nord- und Südamerika und 20 Prozent auf Asien. Bezogen auf Umsätze im Automobilbereich liegt der Asien-Anteil bereits bei mehr als 25 Prozent. Einen Anstieg des Umsatzanteils auf ein Drittel des Gesamtumsatzes hält der Vorsitzende der Konzern-Geschäftsführung Heinz K. Junker für möglich. Die Eigenkapitalquote des Zulieferers verbesserte sich um 1,7 Prozent auf nun 36,7 Prozent und die Zahl der Mitarbeiter stieg um 2,9 Prozent auf rund 48.800. Den stärksten Zuwachs gab es dabei in der Region Asien/Pazifik mit 4,9 Prozent.
Die großen Wachstumsimpulse kamen bei Mahle im vergangenen Jahr von den Geschäftsbereichen Motorsysteme und -komponenten sowie Filtration und Motorperipherie, die ihre Umsätze jeweils im zweistelligen Bereich steigern konnten. Nach dem für Mahle positiven Verlauf des ersten Quartals rechnet Junker für das erste Halbjahr 2012 mit einem Umsatzanstieg von rund fünf Prozent.Insgesamt erreichte der Hersteller von Kolben und Motorkomponenten eine operative Renditenmarge von mehr als fünf Prozent. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EBT) stieg gegenüber dem Vorjahr um 100 Millionen Euro auf 351,5 Millionen Euro. Das Nachsteuerergebnis lag bei 231 Millionen Euro.Rekordjahr für Mahle
Belastet wurde das Ergebnis durch Preissteigerungen bei den Rohstoffen. Dazu gehören Kunststoffgranulate aber auch Aluminium und bestimmte Legierungsbestandteile. "Die Mehrkosten konnten nicht im vollen Umfang an die Kunden weitergegeben werden“, bedauert Junker. Allerdings haben man mit einigen Kunden zum Ende des Jahres Kompromisslösungen finden können. Die Unterschiede von Kunde zu Kunde und Material zu Material seien aber sehr groß. Für das laufende Jahr rechnet der Mahle-Chef allerdings mit einer Beruhigung der Rohstoffpreise und in einigen Bereichen auch mit Rückgängen.
Als "relative Erfolgsstory“ bezeichnete Junker das Gemeinschaftsunternehmen mit Bosch im Bereich Turbolader. Die Einschränkung sieht er darin, dass man von der großen Nachfrage etwas überrascht worden sei und die Investitionen höher ausgefallen seien. Im Bereich Pkw hat das Joint Venture bereits Aufträge mit drei großen Fahrzeugherstellern unterzeichnet. Und auch im Nutzfahrzeug- und Offroadsegment gebe es Programme mit sechs Herstellern. Für die Jahre 2014 und 2015 rechnet Junker mit jährlichen Stückzahlen in Höhe von zwei Millionen Einheiten allein "für bisher kontraktierte Programme“.In den kommenden Jahren will der Zulieferer seine Präsenz in Russland und Südostasien ausbauen. Südlich von Moskau in Kaluga hat Mahle bereits ein Grundstück erworben. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll dort mit dem Bau eines Werkes begonnen werden. Junker wollte zum jetzigen Zeitpunkt allerdings keine Angaben dazu machen, welche Produkte dort produziert werden sollen.
Mahle, das weltweit über acht Forschungs- und Entwicklungszentren verfügt, will das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Farmington Hills (USA) weiter ausbauen und die Kapazität des Entwicklungsstandortes in Schanghai verdoppeln. "Wir müssen für die lokalen Kunden vor Ort sein“, so Junker. "Die Forschungs- und Entwicklungskapazitäten in Deutschland sollen aber nicht heruntergefahren werden“, ergänzt der Mahle-Chef. Auch die Übernahme von Behr schreitet weiter voran. Mahle hatte Anfang des Jahres 2012 seine Beteiligung am Stuttgarter Nachbarn Behr auf 36,85 Prozent erhöht. Mittlerweile hat der Zulieferer mit den Planungen begonnen, im Lauf des Jahres die Übernahme der Mehrheitsanteile einzuleiten. Mit dem Verlauf des Integrationsprozesses ist der Mahle-Chef jedenfalls zufrieden. "Wir werden nach der Mehrheitsübernahme rasch in der Lage sein, neue Strukturen und Prozesse zu implementieren, gemeinsame Kundenprojekte zu akquirieren und so weitere Synergieeffekte zu erzielen.“ Junker ist zuversichtlich, dass Mahle nach der Behr-Integration zu einem der 15 größten Automobilzulieferer weltweit aufsteigen wird.Zudem will Mahle auch das Nachrüstgeschäft stärken. So hat der Zulieferer zu Beginn des vergangenen Jahres die restlichen Anteile am türkischen Motorenteilehersteller Mahle Mopisan übernomen. Und Anfang 2012 hat der Mahle Geschäftsbereich Industry das Technologieunternehmen InnoWa Membrantechnologie geschluckt. Das Start-up ist auf die Entwicklung, Anwendung und Herstellung von Hochleistungs-Filtersystemen auf Basis der Membrantechnologie spezialisiert. Junker rechnet sich in diesem neuen Bereich für Mahle ein starkes Wachstum aus.
Während Junker in Europa für das laufende Jahr mit einem Rückgang des Fahrzeugmarktes von sieben bis zehn Prozent gegenüber 2010 rechnet, erwartet er für Nordamerika einen Anstieg von zehn Prozent. Für den asiatischen Markt rechnet er nur mit einem leichten Plus. Die Ausnahme dabei bildet Japan wegen des Nachholeffektes durch die Naturkatastrophen. (Foto: Mahle)