Los Angeles. In den USA wird der Druck auf die Hersteller großer SUVs und Pick-ups immer stärker. General Motors, Chrysler und Ford wollen nun ihre Dickschiffe mit Hybridtechnik zurück auf Kurs bringen. So glänzt beispielsweise am Heck des Chrysler Aspen, wo einst der Schriftzug „HEMI“ für Image und Anerkennung sorgte, nun das blaue Hybrid- Logo mit einem kleinen HEMI-Annex. Chrysler und General Motors scheinen derzeit am besten aufgestellt. Das Zwillingspaar Chrysler Aspen und Dodge Durango steht ab sofort als Hybrid bei den Händlern. General Motors bietet bereits seit dem Frühjahr den GMC Yukon und den Chevrolet Tahoe als Hybrid an. Jetzt folgen die Allradversionen und der Cadillac Escalade.
Auto-Saurier auf Kraftstoff-Diät
Alle nutzen das gleiche Hybrid-Modul, das Mercedes-Benz zusammen mit Chrysler und BMW unter Federführung von GM entwickelt hat. Die Hauptarbeit übernimmt dabei ein Achtzylinder-Benziner. Bis zu Tempo 40 sind ein oder zwei Elektromotoren mit Leistungen zwischen 68 und 87 PS aktiv. Der E-Motor ist im Getriebe untergebracht und stellt bis zu 320 Newtonmeter Drehmoment bereit. Der rund 200 Kilogramm schwere 300-Volt-Akkupack ist unter der Rücksitzbank untergebracht.
Die Kraftübertragung übernimmt ein betagtes Vierganggetriebe. Im Two-Mode-Hybrid arbeitet der Elektroantrieb bei langsamer Fahrt allein und spart so im Stop-and-go- Verkehr Kraftstoff. Erst beim Beschleunigen springt der Verbrennungsmotor an. Zudem erlaubt der Elektromotor ein häufigeres Abschalten einzelner Zylinder. Auf einem Info-Display wird angezeigt, wenn dies der Fall ist. Einen Multifunktionsbildschirm gibt es auch in den ehemaligen Bestsellern Ford Explorer und F-150. Darauf sind jedoch keine Informationen über kraftstoffsparende Betriebszustände zu sehen, denn der Explorer muss ebenso wie seine großen Brüder Expedition und Navigator bis zum nächsten Jahr ohne Hybridantrieb auskommen.
Der innovativere Ford Edge ist derzeit nur als Technologieträger mit Hybridantrieb unterwegs. Wer auf Ford setzt und mit Hybridantrieb sparen möchte, muss den kleineren Ford Escape ordern. Monat für Monat steigen Dutzende New Yorker Taxifahrer auf die Hybrid-Version des Escape um. Der Nachteil dabei: Nach einem Jahr oder rund 100.000 Meilen müssen zumeist die 6000 Dollar teuren NiMH-Akkus ausgetauscht werden. Bei den großen Hybridfahrzeugen beträgt der Aufpreis gegenüber den Modellen mit herkömmlichem Antrieb zwischen 7000 und 10.000 Dollar.
Im Gegenzug werden für die reinen Benzin-Versionen derzeit gigantische Rabatte von bis zu 10.000 Dollar gewährt. Da haben es die Hybrid-Versionen schwer, im Kostenvergleich zu bestehen. Bei den nächsten Autogenerationen soll die Hybridtechnik in kleineren Limousinen und Mittelklasse- SUVs kommen. Bis dahin überlassen die Big Three den Japanern diesen Markt. Toyota kann hier mit dem Camry Hybrid punkten, Honda bietet bereits den Accord mit Elektro-Unterstützung an – und die US-Kunden greifen gerne zu.