München. Mit einer neuen Preisstrategie will sich Volkswagen in den USA vom Image der teuren Nischenmarke verabschieden. "In unserer Nischenposition konnten wir Preise verlangen, die lagen 20 Prozent über dem Wettbewerb. Das machen wir künftig nicht mehr", sagte Detlef Wittig, verantwortlich für den VW-Vertrieb, am Rande der Präsentation des Passat CC.
Trotz des schwachen Dollar, der das Ergebnis des US-Geschäfts belastet, will Volkswagen die Preise näher an die der Fahrzeuge japanischer und amerikanischer Konkurrenten heranrücken. "Wir müssen in den USA das Volumen steigern, um die Handelsorganisation dorthin zu bringen, wo wir sie haben wollen", sagte Wittig. Das sei auch Teil der Vorbereitung auf das neue Werk in Nordamerika, dessen Standort VW derzeit noch sucht. Mit der lokalen Produktion soll das Volumen nochmals deutlich steigen.
Derzeit verlangt VW für seine Fahrzeuge in den USA deutlich mehr als die direkten Wettbewerber Toyota, Chevrolet oder Ford für entsprechende Modelle (siehe Tabelle). So kostet der Toyota Camry, der meistverkaufte Pkw auf dem US-Markt, rund 30 Prozent weniger als ein VW Passat. Zwischen VW Jetta und Ford Focus liegt der Preisabstand bei 15 Prozent.
Wittig kündigte für den Passat CC einen aggressiven Preis in den USA an: "Wir müssen uns preislich den Volumen-Wettbewerbern anpassen." Da der CC auf den kostengünstigen Teilekasten des Passat zurückgreift, werde das Auto in den USA dennoch einen "gesünderen Ergebnisbeitrag" liefern. 60 Prozent der rund 300.000 Passat CC, die insgesamt im VW-Werk in Emden gebaut werden sollen, sind laut Wittig für den US-Markt vorgesehen.
In Deutschland kostet das viertürige Coupé bis zu 3000 Euro mehr als ein vergleichbarer Passat. VW erwartet zudem, dass CC-Kunden mehr Ausstattung und höhere Motorisierungen ordern, womit sich die Rendite des Fahrzeugs weiter verbessern soll.
Der Passat CC ist Teil der Produktoffensive, mit der die Marke VW bis 2018 den jährlichen Absatz auf 6,6 Millionen Fahrzeuge steigern will. Im vergangenen Jahr waren es 3,6 Millionen. Der gesamte Konzern will sogar auf zehn Millionen Autos wachsen, und dann, "da Toyota und General Motors auch weiter wachsen werden" (Wittig), zumindest "aufs Treppchen kommen", also zu den größten drei Autoherstellern der Welt gehören.
Die Einführung des Kompakt-SUV Tiguan in den USA wurde um einige Monate auf den Herbst verschoben. Zunächst gelte es, die hohe Nachfrage in Europa zu befriedigen und die Lieferfristen abzubauen, sagte Wittig. Das habe nichts mit Wechselkursen zu tun: "Wir werden den Tiguan auf jeden Fall in die USA bringen" - trotz des schwachen Dollar.