München. Diese Krise entfacht keine neuen Feuer, sie wirkt vielmehr wie ein Brandbeschleuniger. Wenn General Motors-Chef Rick Wagoner sagt, sein Unternehmen sei im Grunde gesund und brauche nur Staatshilfe, um über die Finanzkrise zu kommen, dann zeigt dies nur den totalen Realitätsverlust an der Konzernspitze. GM kann, wie British Leyland in den 70er-Jahren, vom Staat zwar eine Zeit lang am Leben gehalten werden. Doch der einzige Sinn einer solchen Aktion ist Zeitgewinn – damit sich Mitarbeiter, Zulieferer, Händler und überlebensfähige Marken neu orientieren können. Wie Mini, Land Rover und Jaguar den unvermeidlichen Untergang von Leyland (später Rover) überlebt haben, gibt es auch für Opel, Chevrolet und Cadillac eine Chance – für den gesamten GM-Konzern sicher nicht.
Diese Erkenntnis hätte man aber auch vor der Finanzkrise haben können. Das Geschäftsmodell Detroit funktionierte ja schon längere Zeit nicht mehr. Jahr um Jahr fanden GM, Ford und Chrysler gegen die Marktanteilsverluste kein Mittel. Sie investierten lieber Milliarden in Incentives statt in neue Technologien und bessere Autos. Das, und nicht die Finanzkrise, hat die US-Konzerne an den Rand des Ruins geführt. Auch in Europa beschleunigt die Krise nur, was sich ohnehin schon auf den Abgrund zubewegt hat, wie etwa das Geschäftsmodell regional beschränkter Autobauer wie PSA und Fiat. Beide werden, anders als Toyota, Renault-Nissan oder Volkswagen, kaum vom Niedergang der US-Autobauer profitieren, weil sie in Nordamerika kein Standbein haben.
Wenn Fiat-Chef Sergio Marchionne sagt, dass sein Unternehmen im Grunde zu klein ist, um als eigenständiger Autobauer überleben zu können, zeigt das nur seinen Realitätssinn. Der Mann sieht, im Gegensatz zu Wagoner, die automobile Welt, wie sie ist. Wer seine Kosten nicht im Griff hat, und dazu braucht es im Massengeschäft ein Volumen von fünf bis sechs Millionen Autos im Jahr, wird es nicht schaffen. GM hilft auch das nicht. Denn die Kosten werden von aberwitzigen Belastungen durch die eigenen Pensions- und Krankenkassen aufgebläht. Trotz Marchionnes Realismus: Die Lage von Fiat ist noch schlechter, als der Konzernchef zugeben mag. Der italienische Autobauer ist mit 3,3 Milliarden Euro verschuldet, während etwa Volkswagen auf einer Cash-Reserve von 11,7 Milliarden sitzt. Das würde GM zwar kaum über den Winter helfen, aber bei VW dürfte es ausreichen, den einen oder anderen Brandherd zu löschen.